Haris Tabakovic Nr 15 Borusssia Mönchengladbach Foto Sascha Hohnen
Borussia Mönchengladbach verlor in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart mit 0:3. Das Spiel kippte nach einem verschossenen Handelfmeter durch Tabaković, den Alexander Nübel parierte. Stuttgart ging durch Leweling (30.) in Führung und entschied die Partie in der zweiten Halbzeit durch ein Scally Eigentor nach Ecke (67.) sowie das 0:3 von Undav (74.). Trainer Hoeneß betonte die Bedeutung der Elfmeter Szene, Gladbach Coach Polanski kritisierte die Reaktion nach dem Rückstand.
Mönchengladbach hatte an diesem Nachmittag eigentlich alles in der Hand. Ein früher Elfmeter, ein prall gefüllter Borussia-Park, ein Gegner, der zunächst noch nicht im Spiel war. Doch am Ende steht ein 0:3 gegen den VfB Stuttgart, das nicht nur deutlich aussieht, sondern in seiner Wirkung auch brutal ist: Weil Gladbach den Türöffner verpasst und Stuttgart die Partie danach mit Stabilität, Qualität und Effizienz komplett an sich zieht.
Der Moment, der alles verändern konnte
Es sind Spiele, die man an einer Szene festmachen kann. Borussia bekam früh die große Chance, das Spiel auf die eigene Seite zu ziehen: Tabaković trat zum Handelfmeter an, doch VfB-Torwart Alexander Nübel parierte. Damit blieb Stuttgart im Spiel und gewann genau daraus Selbstvertrauen und Stabilität.
Auch VfB-Trainer Sebastian Hoeneß betonte nach der Partie, wie wichtig dieser gehaltene Elfmeter für den Verlauf gewesen sei, weil die Szene die Dynamik komplett hätte drehen können.
Gladbachs Trainer Eugen Polanski wiederum sprach davon, dass seine Mannschaft in der ersten Halbzeit „insgesamt ein gutes Spiel“ gemacht habe, aber diese riesige Chance ungenutzt blieb.
Und damit beginnt das eigentliche Problem: Gladbach ließ den Gegner am Leben und Stuttgart nutzte genau diese zweite Chance.
Nach dem verschossenen Elfmeter blieb Gladbach zunächst drin in der Partie, wirkte präsent, aggressiv und mutig. Aber Stuttgart brauchte nur Zeit, um den Rhythmus zu finden. Hoeneß sagte später, sein Team sei anfangs „zu weit weg“ gewesen, habe dann aber Schritt für Schritt besser ins Spiel gefunden.

Ab diesem Punkt wurde sichtbar, warum Stuttgart in dieser Saison für viele Gegner so unangenehm ist: Die Schwaben werden nicht nervös, sie bleiben bei ihrem Plan, verschieben sauber, pressen in den richtigen Momenten und spielen mit hohem Tempo nach vorn.
In der 30. Minute fiel dann das 0:1: Jamie Leweling traf für Stuttgart und drehte das Spiel endgültig in Richtung VfB.
Leweling selbst gab danach offen zu, dass er persönlich nicht gut drauf gewesen sei, das Tor ihm aber extrem geholfen habe. Gleichzeitig bedankte er sich bei Nübel für den gehaltenen Elfmeter, der Stuttgart im Spiel hielt.
Mit dem Rückstand wurde aus Gladbachs ordentlichem Beginn zunehmend eine Partie, in der zu vieles auseinanderfiel: Abläufe, Mut, Körperhaltung.
In der Bundesliga-Stimmenübersicht kritisierte Polanski ausdrücklich die Körpersprache nach dem Gegentor und fasste klar zusammen: Stuttgart sei an diesem Tag „einfach besser“ gewesen.

Noch deutlicher wurde Rocco Reitz. Er bemängelte unter anderem, dass Gladbach nicht genug gepresst habe, Stuttgart die Situationen „qualitativ ausgespielt“ habe und es „taktisch wieder zu wenig“ gewesen sei. Er sprach zudem von unsauberen Aktionen im eigenen Ballbesitz und davon, dass sich die Mannschaft phasenweise „versteckt“ habe.
Das sind Sätze, die nach einer Niederlage hängen bleiben, weil sie mehr sind als Frust: Sie sind ein Hinweis darauf, dass das Problem nicht nur im Ergebnis liegt, sondern im Prozess.
Nach der Pause brauchte es keinen langen Anlauf mehr. Stuttgart wirkte reifer, wacher, klarer. Gladbach kam zwar noch zu Aktionen, aber die echte Wucht fehlte und die Struktur wurde nicht stabiler.
Die Vorentscheidung fiel in der 67. Minute nach einem Standard: Nach einer Ecke landete der Ball als Eigentor von Joe Scally im Gladbacher Netz.
Und nur wenige Minuten später machte Deniz Undav endgültig alles klar: 0:3 in der 74. Minute.
Undav betonte nach Abpfiff die Energie, die Zweikampfführung und die Chancenverwertung seines Teams. Er verwies auch auf die Qualität in der Breite, ein wichtiger Faktor, weil Stuttgart auch über die Bank Tempo und Qualität nachlegen kann.
Zahlen, die das Spielbild bestätigen
Dass Stuttgart verdient gewann, zeigt nicht nur der Eindruck, sondern auch der Blick auf die Daten.
Laut kicker hatte Stuttgart mehr Ballbesitz (56 Prozent), das klar bessere Chancenverhältnis (6:1) und auch beim xG-Wert die Nase vorn (1,83 zu 1,17).
Kurz erklärt: Der xG-Wert („expected goals“) ist die Summe der Abschlusswahrscheinlichkeiten aller Chancen. Stuttgart hatte nicht nur mehr Aktionen, sondern auch die besseren Abschlüsse.
Gladbach verpasst die Tür, Stuttgart tritt sie später ein
Die Ironie dieses Spiels ist brutal: Gladbach beginnt gut, hat den perfekten Moment, Stuttgart kalt zu erwischen und nutzt ihn nicht. Danach übernimmt Stuttgart zunehmend Kontrolle, bleibt stabil, wird zwingender, trifft im richtigen Moment und zieht die Partie in der zweiten Halbzeit konsequent durch.
Polanskis Einordnung passt dazu: Die erste Halbzeit war aus Gladbacher Sicht ordentlich, aber Stuttgart hatte am Ende zu viel Qualität und war insgesamt besser.
Für Gladbach bleibt nach diesem 0:3 vor allem ein Gefühl zurück: Das Ergebnis ist hart, aber es kommt nicht aus dem Nichts. Es ist die Summe aus einem verpassten Schlüssel-Moment, fehlender Durchschlagskraft und einer zweiten Halbzeit, in der Stuttgart sichtbar abgeklärter war.