Mit einer perfiden Telefonmasche haben Kriminelle am Wochenende in Mönchengladbach mindestens zwei Senioren um ihre Wertsachen gebracht. Wie die örtliche Polizei mitteilte, gaben sich die Täter am Samstagvormittag als Sicherheitsmitarbeiter von Banken aus. Sie nutzten die gezielte Verunsicherung der älteren Menschen, um an deren Haustüren in den Stadtteilen Venn und Odenkirchen an Bargeld und EC-Karten samt Geheimzahlen zu gelangen. Die Ermittler warnen nun eindringlich vor dem professionellen Vorgehen der Betrüger.
Die Täter arbeiten mit einer Kombination aus telefonischem Druck und dem direkten Auftreten falscher Boten. Im ersten dokumentierten Fall erhielt eine 86-jährige Frau gegen 11 Uhr einen Anruf eines angeblichen „Herrn Klein“. Der Mann behauptete, für die „Sicherheit der Banken“ zu arbeiten. Er redete der Seniorin ein, es habe eine Sicherheitslücke gegeben und Kriminelle hätten versucht, Geld von ihrem Konto abzubuchen. Um den Vorfall zu prüfen, müsse eine Kollegin persönlich vorbeikommen. Der Anrufer blieb in der Leitung und blockierte so das Telefon, während bereits eine halbe Stunde später eine Komplizin unter dem Decknamen „Frau Nowak“ an der Tür klingelte. Die Unbekannte ließ sich das im Haus befindliche Bargeld sowie die Bankkarte aushändigen. Mit der dreisten Behauptung, das Geld sei gefälscht und die Karte bereits illegal genutzt worden, behielt sie die Wertsachen ein. Um eine angebliche Ersatzkarte ausstellen zu können, entlockte sie der Frau schließlich noch die PIN. Erst als das Duo verschwunden und das Telefonat beendet war, schöpfte die Seniorin Verdacht, informierte ihre Tochter und ging zur Polizei.
Dass es sich um eine gut koordinierte Bande handeln dürfte, zeigt der zweite Fall, der sich nur anderthalb Stunden später im Stadtteil Venn ereignete. Um 12:30 Uhr klingelte das Telefon bei einem 86-jährigen Mann. Auch hier log ein falscher Bankmitarbeiter von bereits getätigten illegalen Abbuchungen. Kurz nach dem Telefonat stand ein Komplize vor der Tür – diesmal stellte sich der Abholer selbst als „Herr Klein“ vor. In dem Glauben, der Mann werde die kompromittierte Karte deaktivieren, übergab der Senior seine EC-Karte mitsamt der PIN. Als der Fremde verschwunden war, kamen dem 86-Jährigen Zweifel. Er rief seinen Sohn an, gemeinsam erstatteten sie ebenfalls Anzeige.
Die Polizei Mönchengladbach hat die Ermittlungen in beiden Fällen aufgenommen und stellt klar: Seriöse Kreditinstitute kontaktieren ihre Kunden niemals unaufgefordert, um sensible Daten wie PINs abzufragen oder gar Mitarbeiter an die Haustür zu schicken, um Geld oder Karten in Verwahrung zu nehmen. Bürgerinnen und Bürger sollen bei derartigen Anrufen sofort auflegen und im Zweifel selbst bei ihrer Bank anrufen unter einer offiziellen, selbst herausgesuchten Telefonnummer.
Anmerkung der Redaktion
Versetzen Sie sich einen Moment in die Lage eines älteren Menschen in Ihrem Umfeld oder in Ihrer Familie. Viele Seniorinnen und Senioren stehen heute vor der Herausforderung, Informationen richtig einzuordnen. Nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was wahr ist und was nicht.
Hinzu kommt ein trügerisches Gefühl von Sicherheit: „Mir passiert so etwas nicht.“ Die Realität zeigt jedoch, dass Betrugsversuche – in unterschiedlichsten Formen – weiterhin vorkommen und gezielt ältere Menschen ins Visier nehmen.
Sprechen Sie daher regelmäßig mit Ihren älteren Angehörigen oder Bekannten über dieses Thema. Sensibilisieren Sie sie für typische Betrugsmaschen und ermutigen Sie dazu, bei Unsicherheiten Rücksprache zu halten. Bieten Sie aktiv Ihre Unterstützung an, damit im Zweifel jemand erreichbar ist, der hilft, Situationen richtig einzuordnen.
Ein offenes Gespräch kann im Ernstfall entscheidend sein.