Mönchengladbach Nach sieben sieglosen Bundesligaspielen in Folge und dem Abrutschen auf den 14. Tabellenplatz wächst der Druck auf Borussia Mönchengladbach. Vor dem richtungsweisenden Heimspiel am Samstag gegen den 1. FC Union Berlin (Tabellenplatz 9) ergreift Cheftrainer Eugen Polanski neue Maßnahmen, um die sportliche Talfahrt im Abstiegskampf zu stoppen.
Stadion-Training und „knallharte Worte“
Die jüngste 1:2-Niederlage beim SC Freiburg hat am Niederrhein Spuren hinterlassen. Um die festgefahrenen Muster der vergangenen Wochen aufzubrechen, verlegte Polanski am Donnerstag Teile des Trainings direkt in den Borussia-Park. Die Profis sollten bewusst in einer veränderten Atmosphäre trainieren und sich an das Tor gewöhnen, auf das sie am Samstag spielen werden. Die ungewöhnliche Maßnahme zielt darauf ab, neue Reize zu setzen und den mentalen Fokus der Spieler zu schärfen. Neben taktischen Anpassungen suchte Polanski nach eigenen Angaben die direkte Konfrontation mit der Mannschaft, forderte absolute Konsequenz in beiden Strafräumen und richtete „knallharte Worte“ an seine Akteure.
Personalentscheidungen: Reitz kehrt zurück, Neuhaus bleibt Herausforderer
Im Kader gibt es entscheidende Veränderungen. Mittelfeldspieler Rocco Reitz ist nach einer gezielten Belastungssteuerung wieder voll in den Trainingsbetrieb eingestiegen. Auch Winter-Neuzugang Alejo Sarco stellt nach überstandener Fußverletzung wieder eine Option für das Wochenende dar. Bei den Rekonvaleszenten Robin Hack und Giovanni Reyna, die nach längeren Pausen ins Teamtraining zurückkehrten, ist die Entscheidung über eine Kadernominierung noch offen. Nathan Ngoumou und Tim Kleindienst fallen weiterhin verletzungsbedingt aus.
Ein prominenter Name, der zuletzt ins Hintertreffen geriet, ist Florian Neuhaus. Der Mittelfeldspieler saß in Freiburg 90 Minuten auf der Bank. Polanski begründet diese Entscheidung mit der höheren Intensität, die die aktuelle Tabellensituation erfordere, und verwies auf die überzeugenden Trainings- und Spielleistungen von Kevin Stöger, der Neuhaus in der internen Hierarchie momentan verdrängt hat. Auch Jens Castrop steht im Fokus des Trainerteams. Polanski schätzt dessen offensive Flexibilität und Zweikampfführung, fordert jedoch gleichzeitig mehr Geradlinigkeit in der Entscheidungsfindung auf dem Platz, um künftig messbare Torbeteiligungen zu generieren.
Kampf gegen Union Berlins Physis
Der Tabellenneunte aus Berlin reist mit einem Vorsprung von sechs Punkten auf die Borussia an. Gladbachs Geschäftsführer Sport, Rouven Schröder, unterstreicht die physische Komponente, die Union Berlin auszeichnet. Er fordert von der Mannschaft ein klares Bewusstsein für die anstehende Aufgabe und die Bereitschaft, das extrem körperbetonte und intensive Spiel der Gäste anzunehmen.
Ein zentrales Thema der Vorbereitung waren die Standardsituationen. In Freiburg offenbarten die Gladbacher bei ruhenden Bällen – insbesondere bei zwei Einwürfen – eklatante Schwächen, die zu Gegentoren und Großchancen führten. Gegen die für ihre Standards gefürchteten Berliner sei laut Polanski höchste Konzentration in jedem defensiven Zweikampf gefragt.
Die zunehmende Sorge der Fans vor einem möglichen Abstieg wird von der sportlichen Leitung wahrgenommen und als legitim eingestuft. Schröder betrachtet diese Besorgnis primär als Lebenszeichen und Beweis der engen Verbundenheit der Anhänger mit dem Verein. Der interne Druck sei hoch, müsse nun jedoch als Katalysator für eine Leistungssteigerung dienen. Das alleinige Ziel für den Samstagnachmittag bleibt unverändert: drei Punkte einzufahren.