Sechs Spieltage bleiben Borussia Mönchengladbach noch, um den Klassenerhalt in der Bundesliga endgültig in trockene Tücher zu bringen. Vor der schweren Auswärtsaufgabe bei RB Leipzig (Samstag, 15:30 Uhr) präsentierten sich Cheftrainer Eugen Polanski und Sportchef Rouven Schröder auf der Pressekonferenz kämpferisch. Im Fokus: Die Rückkehr wichtiger Leistungsträger, ein Transfer-Dilemma, das keines ist, und ein klärendes Wort an die eigenen Anhänger.
Der Druck am Niederrhein ist nach dem enttäuschenden 2:2-Unentschieden gegen den 1. FC Heidenheim spürbar. Die Konkurrenz im Tabellenkeller hat gepunktet, doch die Marschroute bei der Borussia bleibt klar. „Wir haben alles in eigener Hand“, betonte Sportchef Rouven Schröder und forderte eine gesunde Mischung aus interner Kritik und nötiger Positivität. „Es bringt gar nichts, jedes Mal nach dem Spieltag den Rechner anzuschmeißen. In der Ruhe liegt die Kraft.“
Rocco Reitz und das Duell mit der Zukunft
Eine der drängendsten Fragen der Woche betraf Rocco Reitz. Das Eigengewächs wird im Sommer ausgerechnet zum kommenden Gegner nach Leipzig wechseln. Für Eugen Polanski spielt das in der Vorbereitung jedoch absolut keine Rolle.
„Er ist kein RB-Junge, er ist ein Gladbacher Junge“, stellte der Cheftrainer unmissverständlich klar. Polanski ist sich sicher, dass Reitz sich unbedingt vernünftig verabschieden will und alles für Borussia in die Waagschale werfen wird. Schließlich sei ein starker Auftritt auch die beste Möglichkeit, sich seinem neuen Arbeitgeber direkt auf dem Platz von seiner besten Seite zu zeigen. Ein flaues Gefühl im Magen gibt es bei diesem Einsatz also weder beim Spieler noch beim Trainerteam.
Taktik-Fokus: Die Null als Basis für den Coup
Rein sportlich wartet mit dem Tabellendritten ein echtes Schwergewicht. Leipzig hat vier der letzten fünf Spiele gewonnen und besticht durch enormes Tempo und Wucht über die Außenbahnen. Polanski weiß, dass seine Mannschaft leiden muss: „Man muss das Tempo mitgehen, wenn sie es anziehen, und es vielleicht auch mal rausnehmen, wenn man die Chance dazu hat.“
Die große Stärke der Gladbacher in dieser Saison ist die defensive Stabilität. Bereits zehnmal stand hinten die Null. Darauf will Polanski aufbauen, ohne sich jedoch hinten einzuigeln. „Es nützt nichts, nach Leipzig zu fahren und zu hoffen, dass sie nicht ihren besten Tag haben und unser Torwart alles hält. Wir müssen auch zeigen, was wir können und ihnen wehtun.“
Das Lazarett leert sich zur perfekten Zeit
Pünktlich zum Saisonendspurt gibt es hervorragende Nachrichten vom Trainingsplatz: 24 Feldspieler mischten unter der Woche mit. Franck Honorat und Ko Itakura („Kota“) sind nach ihren Pausen wieder voll belastbar und einsatzfähig.
Etwas mehr Geduld ist noch bei den Langzeitverletzten gefragt. Robin Hack und Nathan Ngoumou hinterlassen im Training zwar einen starken Eindruck und drängen auf einen Kaderplatz, doch Polanski und die medizinische Abteilung wollen kein Risiko eingehen. „Ein Schritt zu früh kann das Kartenhaus zusammenbrechen lassen“, warnte der Coach. Ähnlich sieht es bei Tim Kleindienst aus, der sich im individuellen Training sehr gut präsentiert und voraussichtlich für die letzten beiden Saisonspiele noch einmal zu einem wichtigen Faktor im Abstiegskampf werden könnte. Für Leipzig sind Kurzeinsätze der Rückkehrer – wenn überhaupt – das höchste der Gefühle.
Polanski stellt klar: „Gehe null Komma null auf die Fans los“
Abseits des Platzes sorgten zuletzt Berichte für Wirbel, Polanski habe nach den Unmutsbekundungen der Fans gegen Heidenheim die eigenen Anhänger kritisiert. Diesem Narrativ trat der Cheftrainer auf der Pressekonferenz energisch entgegen.
„Ich lese echt wenig Presse, aber wenn ich höre ‚Trainer geht auf die Fans los‘ – überhaupt nicht!“, so Polanski. Er betonte, dass er die Enttäuschung und die Pfiffe nach dem Spiel absolut nachvollziehen könne. Die Fans seien ins Stadion gekommen, um drei Punkte zu feiern, was die Mannschaft ihnen nicht liefern konnte. Gleichzeitig lobte er den Support während der 90 Minuten ausdrücklich. Von einem Riss zwischen Mannschaft und Kurve kann also keine Rede sein – man teile schlichtweg denselben Frust über die liegengelassenen Punkte.
Redaktionelle Analyse: Besonnenheit statt Panik
Borussia Mönchengladbach steht das Wasser zwar nicht direkt bis zum Hals, aber die Füße sind längst nass. Was auf dieser Pressekonferenz deutlich wurde: Eugen Polanski und Rouven Schröder strahlen genau die Ruhe aus, die es im Abstiegskampf braucht. Statt in blinden Aktionismus zu verfallen, setzt das Duo auf Kontinuität und eine klare Ansprache. Besonders bemerkenswert ist Polanskis feines Gespür für die zwischenmenschlichen Töne. Wie er Rocco Reitz aus der medialen Schusslinie nimmt und ihm gleichzeitig das volle Vertrauen ausspricht, zeugt von starkem Man-Management. Auch seine souveräne Reaktion auf die Fan-Gerüchte war ein wichtiger rhetorischer Befreiungsschlag, um Nebenkriegsschauplätze im Keim zu ersticken. Wenn die Mannschaft diese Klarheit am Samstag in Leipzig auf den Rasen bringt, ist eine Überraschung durchaus im Bereich des Möglichen – besonders, weil sich die personellen Alternativen auf der Bank endlich wieder mehren.