Trainer Eugen Polanski Borussia Mönchengladbach Foto Sascha Hohnen
Nach einer turbulenten Transferwoche empfängt Borussia Mönchengladbach am Samstagabend (18:30 Uhr) Bayer Leverkusen. Cheftrainer Eugen Polanski blickt auf eine intensive Zeit zurück, zieht klare Grenzen bei Talenten und fordert für das Westduell mehr spielerische Leichtigkeit.
Es war eine dieser Pressekonferenzen, in der man Eugen Polanski anmerkte, dass die letzten Tage Spuren hinterlassen haben, im positiven wie im fordernden Sinne. Vor dem prestigeträchtigen Duell gegen Bayer Leverkusen am Samstagabend im Borussia-Park nutzte der Cheftrainer die Gelegenheit, nicht nur über den kommenden Gegner zu sprechen, sondern auch ein ehrliches Resümee über seine erste Transferperiode in vorderster Front zu ziehen. Es war für ihn ein „Learning“, wie er es selbst nannte. Während der Montag am Borussia-Park oft einer Achterbahnfahrt glich, blieb Polanski zwar ruhig, gestand aber ein, dass die Ungewissheit über die tatsächliche Kadergröße für das Dienstagstraining eine neue Erfahrung war. Sportchef Rouven Schröder hatte die Fäden in der Hand, doch als Trainer stand Polanski vor der Herausforderung, kurzfristige Abgänge und späte Zusagen wie die von Hugo Bolin in seine Planungen zu integrieren.
Besonders deutlich wurde Polanski, als die Sprache auf die Eigengewächse kam. Hier zeigte der Coach eine Kante, die man am Niederrhein vielleicht so deutlich selten gehört hat. Der „Gladbach-Weg“ bleibt das Ziel, doch Polanski knüpfte ihn an klare Bedingungen: Leistung und Einstellung. Im Fall von Charles Hermann war es eine taktische Diskrepanz, der Spieler sah sich in der Offensive, der Verein eher als Schienenspieler. Bei Kilian Sauck hingegen ging es um mehr als nur Positionen. Polanski, der Sauck bereits aus der U23 kannte, sprach offen über mangelnde Trainingsleistungen und Integrationsprobleme. Dass er dem Talent ein klares „Nein“ entgegenschleuderte, war für ihn eine pädagogische Notwendigkeit. Er ist überzeugt, dass Sauck Profi wird, aber eben nur, wenn der Kopf mitspielt. Es war ein Signal an die gesamte Kabine: Talent allein ist keine Einsatzgarantie.
Spielerisch brennt Polanski darauf, dass seine Mannschaft das „Verteidigungs-Gen“, das sie zuletzt beim 1:1 in Bremen phasenweise sehr tief agieren ließ, mit einer neuen Spielfreude paart. Er forderte von seinen Profis Vertrauen – in sich selbst, in den Nebenmann und in die erarbeiteten Abläufe. „Wir spielen Fußball, um Fußball zu spielen, und nicht, um Fußball zu verteidigen“, lautete sein Credo. In der Videoanalyse am Dienstag wurden die Räume aufgezeigt, die im Spiel nach vorne oft ungenutzt blieben. Polanski will weg von der Fehlervermeidung und hin zur Chancenkreierung. Dass dies ausgerechnet gegen ein Team wie Leverkusen gelingen soll, das unter Xabi Alonso längst wieder zu alter Stabilität und spielerischer Dominanz gefunden hat, ist eine Mammutaufgabe. Doch der Coach sieht Lücken: Leverkusen biete immer wieder etwas an, und genau in diese Schnittstellen will die Borussia stechen.
Personell gibt es für das Wochenende zumindest bei den Rückkehrern gute Nachrichten. Kevin Dicks hat eine beschwerdefreie Woche hinter sich, und auch Ko Itakura sowie Philip Sander sind nach Krankheit beziehungsweise einem schmerzhaften Schlag auf den Muskel wieder voll einsatzfähig. Sie werden die Stabilität geben müssen, die nötig ist, um Leverkusens Schaltzentrale um Granit Xhaka und die gefährlichen Standards von Alejandro Grimaldo zu neutralisieren. Auf der Gegenseite ruhen die Hoffnungen auf Neuzugang Hugo Bolin, der im Training einen extrem gierigen Eindruck hinterlassen hat. Ob er direkt von Beginn an aufläuft, ließ Polanski noch offen, doch sein Profil als jemand, der „einfach macht“ und keine Starallüren zeigt, passt perfekt in das aktuelle Anforderungsprofil. Auch Leihspieler Sako brennt auf seinen Einsatz gegen den Stammverein , seine Geschwindigkeit könnte in Umschaltmomenten zum entscheidenden Faktor werden.
Abschließend blickte Polanski auf seine bisherige Bilanz von 20 Punkten aus 17 Spielen. Er ist Realist genug, um zu wissen, dass der Weg steinig bleibt. Er wusste vom ersten Tag an, dass der Kampf um den Klassenerhalt die Kernaufgabe dieser Saison sein würde. Die Konstanz fehlt noch, das spielerische Element muss wachsen, aber das Teamgefüge scheint zu stehen. Für Polanski ist es ein 24-Stunden-Job, dieses Gebilde stabil zu halten. Am Samstagabend wird sich zeigen, ob die Mannschaft den Mut aufbringt, den ihr Trainer so vehement einfordert, oder ob die Ehrfurcht vor dem amtierenden Champion (bzw. Top-Team) die Beine doch wieder schwer werden lässt.