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MÖNCHENGLADBACH/Eicken In Zeiten knappen Wohnraums wird die Suche nach einem neuen Zuhause oft zum Wettlauf gegen die Zeit. Doch wer unter Druck sucht, übersieht leicht die Warnsignale. Ein aktueller Fall aus dem Stadtteil Eicken verdeutlicht die erschreckende Professionalität, mit der Betrügerbanden mittlerweile auch in Mönchengladbach agieren.
Der Fall Alsstraße: Ein Protokoll der Täuschung
Es klingt nach einem Routinevorgang: Ein Ehepaar (54 und 57 Jahre alt) findet auf Kleinanzeigen eine Wohnung in der Alsstraße. Die Besichtigung findet statt, man wird sich einig. Doch was für das Paar wie der glückliche Abschluss einer langen Suche wirkte, war in Wahrheit eine inszenierte Falle.
Am Ende stehen die Opfer ohne Wohnung und ohne ihr Erspartes da – ein vierstelliger Betrag floss direkt in die Taschen von Kriminellen. Der Clou der Betrüger: Sie nutzten ein leerstehendes Sanierungsobjekt, zu dem sie sich unbefugt Zugang verschafft hatten, um eine perfekte Illusion von Seriosität zu erzeugen.
Die Masche
- Das Köder-Exposé: Hochwertige Bilder und eine Lage in begehrten Vierteln wie Eicken oder dem Bunten Garten locken Interessenten an.
- Die künstliche Verknappung: Den Opfern wird suggeriert, sie seien nur eine von hunderten Parteien. „Wer zuerst zahlt, zieht zuerst ein“, lautet das ungeschriebene Gesetz des Betrugs.
- Die Schein-Legitimation: Durch gefälschte Ausweise, professionell wirkende Mietverträge und sogar Quittungen wird ein rechtssicherer Raum vorgetäuscht, der faktisch nicht existiert.
Zahlen und die „Schwarze Zone“ (Dunkelziffer)
Während die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 eine Zunahme von Betrugsdelikten im Bereich der Immobilienportale verzeichnet, bleibt das wahre Ausmaß im Verborgenen.
- Finanzieller Ruin: Mit Schadenssummen zwischen 2.000 € und 5.000 € pro Fall treffen die Täter oft Menschen, die für diese Kaution Jahre sparen mussten.
- Die Dunkelziffer: Experten schätzen, dass auf jeden gemeldeten Fall bis zu zehn ungemeldete Delikte kommen. Viele Opfer schämen sich oder glauben nicht an eine Aufklärung, da die Täter meist über alle Berge sind, bevor der Betrug bemerkt wird.
Die Täter: Profis statt Gelegenheitsdiebe
Die Beschreibung aus Mönchengladbach ein Duo, bestehend aus einem etwa 40-jährigen Mann und einer jüngeren Frau deutet auf eine arbeitsteilige Vorgehensweise hin. Während der eine den seriösen Vermieter mimt, übernimmt die andere die Rolle der „Assistentin“ oder „Finanzverwalterin“. Dieses Rollenspiel soll das Vertrauen stärken und Zeugen verwirren.
Wie kann man sich schützen?
- Kein Bargeld bei Besichtigung: Seriöse Vermieter oder Hausverwaltungen verlangen niemals Bargeld auf die Hand unmittelbar nach der Unterschrift in einer leeren Wohnung.
- Check der Hausverwaltung: Ein kurzer Anruf bei der im Hausflur oft ausgehängten Hausverwaltung kann klären, ob die Wohnung überhaupt zur Vermietung steht.
- Das „Zu gut um wahr zu sein“-Prinzip: Wenn Preis, Lage und Ausstattung nicht zum Marktspiegel passen, ist Vorsicht geboten.
Der Fall in der Alsstraße ist ein Weckruf für die Stadt. Er zeigt, dass Mönchengladbach kein sicherer Hafen vor überregional agierenden Betrügerbanden mehr ist. Die Kombination aus Digitalisierung (anonyme Portale) und realer Wohnungsnot schafft einen Nährboden, auf dem Kriminelle leichtes Spiel haben.
Beschreibung der Tatverdächtigen (Polizei MG):
- Mann: ca. 1,80 m, 40 J., stämmig, braune Haare, südländisches Erscheinungsbild.
- Frau: ca. 1,75 m, 30 J., schlank, lange dunkelblonde/braune Haare, südländisches Erscheinungsbild.
- Hinweise an: Polizei Mönchengladbach unter 02161-290.