Wer derzeit in Mönchengladbach tankt, merkt schnell: Der Literpreis kratzt an der Zwei-Euro-Marke oder liegt sogar darüber. An einigen Tankstellen schwankt der Preis für Superbenzin aktuell zwischen etwa 1,86 und über 2,00 Euro, teilweise sogar darüber. Diesel liegt vielerorts zwischen etwa 1,84 und knapp 2,00 Euro pro Liter. Das bestätigt auch eine Auswertung mehrerer Preisportale mit aktuellen Tankstellendaten aus der Region.
Der Durchschnittspreis lag zuletzt bei rund 1,96 Euro für Super und etwa 1,99 Euro für Diesel in der Region.
Viele Autofahrer fragen sich deshalb: Warum wird Tanken immer teurer?
Die ehrliche Antwort besteht aus zwei Teilen. Einer hat mit der Weltpolitik zu tun. Der andere mit der deutschen Steuerpolitik.
Der Krieg im Nahen Osten lässt den Ölpreis steigen
Der globale Ölpreis reagiert extrem empfindlich auf Krisen im Nahen Osten. Genau dort eskaliert die Lage derzeit.
Militärische Auseinandersetzungen zwischen Iran sowie den USA und Israel sorgen für massive Spannungen rund um die Straße von Hormus. Diese Meerenge ist einer der wichtigsten Transportwege für Öl weltweit. Rund ein Fünftel des globalen Ölhandels passiert dort.
Die Folge ist unmittelbar an den Märkten sichtbar.
Der internationale Ölpreis der Sorte Brent liegt aktuell bei rund 83 bis 84 Dollar pro Barrel.
Analysten warnen sogar: Sollte der Konflikt weiter eskalieren oder die Straße von Hormus länger blockiert bleiben, könnten die Preise auf 100 Dollar pro Barrel oder mehr steigen.
Steigt der Ölpreis, steigen auch die Kosten für Benzin und Diesel in Europa. Das ist ein direkter Zusammenhang.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Warum Deutschland besonders hohe Spritpreise hat
Der Preis an der Tankstelle besteht nicht nur aus Rohöl. Ein großer Teil entsteht durch Steuern und staatliche Abgaben.
Der Literpreis setzt sich im Wesentlichen aus vier Komponenten zusammen:
- Rohölpreis und Raffineriekosten
- Transport und Gewinnmargen
- Energiesteuer
- CO₂-Preis und Mehrwertsteuer
Besonders wichtig ist die Mehrwertsteuer. Sie beträgt 19 Prozent auf den gesamten Literpreis.
Das bedeutet: Wenn der Preis an der Tankstelle steigt, steigen automatisch auch die Steuereinnahmen des Staates.
Dieser Mechanismus funktioniert vollkommen automatisch. Kein Parlament muss dafür eine neue Steuer beschließen.
Steigende Preise bedeuten automatisch steigende Staatseinnahmen
Wenn Benzin von 1,80 Euro auf 2,00 Euro steigt, wächst auch der Mehrwertsteueranteil.
Bei 2,00 Euro pro Liter sind bereits rund 32 Cent Mehrwertsteuer enthalten.
Zusätzlich kommen feste Abgaben hinzu, etwa die Energiesteuer sowie der CO₂-Preis. Diese Kosten sind politisch festgelegt und erhöhen den Preis unabhängig vom Ölmarkt.
Das bedeutet:
Steigt der Ölpreis wegen eines Krieges, verdient der Staat automatisch mehr Geld pro Liter.
Die Realität an den Tankstellen in Mönchengladbach
Ein Blick auf aktuelle Tankstellenpreise zeigt, wie stark die Unterschiede sein können.
- Durchschnittspreis Super: etwa 1,94 bis 1,96 Euro pro Liter
- Durchschnittspreis Diesel: etwa 1,85 bis 1,99 Euro pro Liter
- einzelne Tankstellen liegen teilweise über 2,00 Euro beim Benzinpreis.
In der Stadt existieren rund 48 Tankstellen, deren Preise sich mehrmals täglich verändern.
Die Spanne zwischen günstiger und teurer Tankstelle kann dabei oft mehr als zehn Cent pro Liter betragen.
Die unbequeme Wahrheit über den Spritpreis
Wenn Politiker steigende Spritpreise erklären, verweisen sie fast immer auf den Ölmarkt.
Der Krieg im Nahen Osten spielt tatsächlich eine große Rolle.
Doch ebenso real ist ein zweiter Faktor:
Deutschland gehört zu den Ländern mit besonders hohen Kraftstoffsteuern.
Das bedeutet:
Der Ölpreis bestimmt, wie teuer Sprit wird.
Die Steuerpolitik bestimmt, wie teuer er mindestens sein muss.
Und genau deshalb wird Tanken für viele Autofahrer immer mehr zur politischen Frage.