
Neue Defibrillatoren stärken Notfallversorgung in Mönchengladbach
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand zählt zu den zeitkritischsten medizinischen Notfällen. Jede Minute bis zum Beginn der Wiederbelebung beeinflusst die Überlebenschancen. Die Feuerwehr Mönchengladbach hat deshalb gemeinsam mit weiteren Partnern ihre Maßnahmen zur schnellen Erstversorgung ausgebaut und dabei eine erste Bilanz der Ersthelfer-App „Region der Lebensretter 3.0“ vorgestellt.
Seit dem Start der App vor sieben Monaten wurden nach Angaben der Feuerwehr 141 Reanimationen im Stadtgebiet begleitet. In 131 Fällen alarmierte die Integrierte Leitstelle zusätzlich registrierte Ersthelfende. Bei 128 Einsätzen konnten mindestens drei qualifizierte Helferinnen und Helfer zum Einsatzort geschickt werden. Lediglich bei drei Alarmierungen standen keine verfügbaren Ersthelfenden bereit.
Die Anwendung informiert ausgebildete Personen, die sich in der Nähe eines Notfalls befinden. Noch vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes können sie mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Gleichzeitig zeigt die App registrierte Defibrillatoren in der Umgebung an und verteilt unterschiedliche Aufgaben auf bis zu vier alarmierte Ersthelfende.
Pilotprojekt: Defibrillatoren künftig auch in Streifenwagen
Im Rahmen eines neuen Pilotprojekts statten Feuerwehr und Polizeipräsidium Mönchengladbach zunächst zehn Funkstreifenwagen mit Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) aus. Zuvor wurden Polizeibeamtinnen und -beamte von der Feuerwehr im Umgang mit den Geräten geschult. Nach erfolgreicher Ausbildung können sie sich als qualifizierte Ersthelfende in der App registrieren und bei entsprechenden Notfällen alarmiert werden.
Freiwillige Feuerwehr erhält öffentlich zugängliche AED-Standorte
Parallel erweitert die Feuerwehr das Netz öffentlich erreichbarer Defibrillatoren. Nach Angaben der Feuerwehr sind derzeit rund 60 Geräte im Stadtgebiet registriert. Viele davon befinden sich jedoch innerhalb von Gebäuden und stehen deshalb außerhalb der Öffnungszeiten nicht zur Verfügung.
Um die Erreichbarkeit zu verbessern, wurde eine wettergeschützte Aufbewahrungsbox im Mönchengladbacher Stadtdesign entwickelt. Die international anerkannte Box ermöglicht einen jederzeit zugänglichen Einsatz der Geräte im öffentlichen Raum. Zunächst werden alle 20 Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr mit einer solchen Box und einem Defibrillator ausgestattet.
Reanimation Anfang Januar verdeutlicht Bedeutung schneller Hilfe
Welche Auswirkungen das schnelle Zusammenspiel verschiedener Einsatzkräfte haben kann, zeigte nach Angaben der Feuerwehr ein Einsatz am 3. Januar. Ein 50-jähriger Mann erlitt infolge eines Herzinfarkts einen Herz-Kreislauf-Stillstand.
Die Leitstelle alarmierte unter anderem drei Ersthelfende. Gemeinsam mit Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Krankenhaus konnte der Patient erfolgreich reanimiert werden.
Erfahrungen aus der Praxis vorgestellt
Bei der Vorstellung der Projekte berichteten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Organisationen über ihre bisherigen Erfahrungen. Die Einordnung übernahmen die Beigeordnete Silke Wehmhörner, Feuerwehrleiter Dirk Schattka, Polizeipräsident Stephan Zenker, Polizeidirektor Alexander Stoll sowie der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Dr. Marc Deußen.
Über den Einsatz Anfang Januar sprachen außerdem die Ersthelfer Dirk Gilleßen und Syit Karaoglu, die Feuerwehrangehörigen Marc Schüren und Anja Wulf, die Polizeibeamten Justin Leuer und Anna Reif sowie Notfallsanitäter Jan Valentin. Die medizinische Versorgung erläuterte Prof. Dr. med. Emmanuel Chorianopoulos, Chefarzt der Klinik für Kardiologie der Maria Hilf Kliniken. Auch der Patient Ingo Frank und seine Ehefrau Sandra Fuchs-Frank schilderten ihre Erlebnisse.