Der Wohnungsbau steckt bundesweit in der Krise, doch in Mönchengladbach boomt das geförderte Segment. Die Stadtverwaltung hat im vergangenen Jahr so viele Landesmittel abgerufen, dass das Budget am Ende sogar überzeichnet war. Neue Projekte müssen nun warten – doch die Aussichten für 2026 sind positiv.
Mönchengladbach. In Zeiten steigender Baukosten und hoher Zinsen wird bezahlbarer Wohnraum immer knapper. Ein aktueller Bericht der Stadtverwaltung, der nun dem Ausschuss für Planung, Bauen und Stadtentwicklung vorgelegt wurde, zeigt jedoch einen gegenläufigen Trend bei der staatlichen Unterstützung: Die Nachfrage nach Fördermitteln für den sozialen Wohnungsbau ist in Mönchengladbach 2025 so stark gestiegen, dass die bereitgestellten Töpfe nicht ausreichten.
Rekordsumme fließt in die Vitusstadt
Insgesamt bewilligte die zuständige Fachabteilung im vergangenen Jahr Fördermittel in Höhe von 43,2 Millionen Euro. Damit knüpft die Stadt fast nahtlos an das Rekordergebnis des Vorjahres an. Besonders bemerkenswert ist die Ausschöpfung der Quote: Ursprünglich hatte das Land Nordrhein-Westfalen der Stadt lediglich ein Budget von 16,4 Millionen Euro zugewiesen. Durch intensive Nachverhandlungen und das Umschichten nicht genutzter Mittel aus anderen Regionen konnte die Verwaltung diese Summe jedoch auf 263 Prozent des Ansatzes steigern.
„Wir haben als Stadt alle Hebel in Bewegung gesetzt, um möglichst viel Kapital nach Mönchengladbach zu holen“, erklärt Alicé Herle, Leiterin der Abteilung Wohnraumförderung. Trotz der hohen Fallzahlen sei es gelungen, alle Investoren rechtzeitig zu beraten. Allerdings war der Andrang so groß, dass erstmals seit Langem einige bewilligungsfähige Projekte in das Förderjahr 2026 verschoben werden mussten – das Geld war schlichtweg aufgebraucht.
Warum die Förderung für Investoren jetzt so attraktiv ist
Der Run auf die Staatsknete hat einen ernsten wirtschaftlichen Hintergrund. Im frei finanzierten Wohnungsbau lassen sich Neubauprojekte aufgrund der explodierten Kosten kaum noch rentabel realisieren, ohne Mieten zu verlangen, die am Markt schwer durchsetzbar sind.
Die öffentliche Wohnraumförderung bietet hier einen Ausweg: Das Land lockt mit extrem zinsgünstigen Darlehen und Tilgungsnachlässen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Im Gegenzug verpflichten sich die Bauherren, die Wohnungen für einen festgelegten Zeitraum zu gedämpften Preisen an Menschen mit Wohnberechtigungsschein (WBS) zu vermieten.
Bilanz 2025: Was konkret entsteht
Mit den bewilligten 43,2 Millionen Euro gab die Stadt im Jahr 2025 grünes Licht für insgesamt 218 Wohneinheiten (WE). Die Maßnahmen verteilen sich wie folgt:
- Neubau von Mietwohnungen: 86 Einheiten
- Modernisierung im Bestand: 90 Einheiten
- Eigentumsförderung: 42 Einheiten (Neubau oder Kauf und Modernisierung von Eigenheimen)
Claudia Schwan-Schmitz, Technische Beigeordnete der Stadt, sieht darin einen wichtigen Baustein gegen den Schwund an Sozialwohnungen. Da viele ältere Bestandsgebäude aus der Preisbindung fallen, muss dringend „nachproduziert“ werden. Für die kommenden Jahre 2026 und 2027 hat das Land NRW bereits eine Aufstockung der Budgets angekündigt, was Schwan-Schmitz optimistisch stimmt, den Antragsstau abarbeiten zu können.
Sichtbare Ergebnisse im Stadtbild
Während die 2025 bewilligten Gelder erst in künftige Baustellen fließen, wurden im vergangenen Jahr 65 Wohneinheiten fertiggestellt, die in Vorjahren beantragt wurden. Ein Schwerpunkt lag dabei auf Projekten der städtischen Tochtergesellschaft WohnBau Mönchengladbach sowie privater Träger.
Zu den fertiggestellten Objekten gehören:
- Lürrip: Ein Mehrfamilienhaus mit 12 Wohnungen am Langer Weg.
- Giesenkirchen: 20 Einheiten am Pfarrer-Walter-Weg.
- Stadtmitte/Waldhausen: 33 Einheiten an der Waldhausener Straße und Yorckstraße.
Dabei wurde nicht nur an Singles gedacht. Neben 44 Zwei-Zimmer-Wohnungen entstanden auch 21 größere Wohnungen für Familien mit drei bis fünf Zimmern.
Oberbürgermeister Felix Heinrichs betont die strategische Bedeutung der städtischen WohnBau. Die Stadt verzichtet bewusst auf Gewinnausschüttungen der Tochtergesellschaft, um deren Eigenkapital zu stärken. „Jeder Euro, der so zusätzlich in den Wohnungsbau fließt, ermöglicht über die Darlehen der Wohnraumförderung Investitionen von insgesamt vier Euro“, rechnet Heinrichs vor.