
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach muss beim ersten Bundesliga Heimspiel der neuen Saison gegen die SV Elversberg auf Enzo Leopold verzichten. Der Mittelfeldspieler hat sich im Training einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie zugezogen und wird Borussia mehrere Monate fehlen. Cheftrainer Eugen Polanski und Sportchef Rouven Schröder machten vor der Partie zugleich deutlich, dass der Ausfall innerhalb des Kaders aufgefangen werden soll. Neuzugang Nicolas Kühn kommt bereits als Alternative für die Startelf infrage.
Die Verletzung von Leopold bezeichnete Schröder als Schock für den Verein und den Spieler. Der 26 Jahre alte Sommerneuzugang war als Kapitän von Hannover 96 nach Mönchengladbach gewechselt und hatte sich seinen Start bei Borussia anders vorgestellt. Mannschaft und Verantwortliche hätten unmittelbar den Kontakt zu ihm gesucht und ihn unterstützt.
Leopold wurde am Donnerstag operiert. Eine konkrete Rückkehrzeit nannten die Verantwortlichen während der Pressekonferenz nicht. Polanski erklärte, die Verletzung brauche zunächst Zeit. Borussia wolle Leopold während seiner Rehabilitation vollständig unterstützen.
Hashioka fehlt gegen Elversberg
Auch Daiki Hashioka steht für das Heimspiel nicht zur Verfügung. Nach seinem heftigen Zusammenprall im Spiel gegen Leipzig hatte die medizinische Behandlung zunächst länger gedauert. Polanski berichtete, dass keine schwerwiegende Verletzung festgestellt worden sei. Der Körper reagiere jedoch weiterhin auf den Zusammenstoß, insbesondere die Muskulatur sei noch stark beeinträchtigt.
Für Samstag sei Hashioka deshalb weder trainingsfähig noch spielfähig. Polanski rechnet allerdings damit, dass der Verteidiger in absehbarer Zeit zurückkehren kann.
Weitere Spieler befinden sich noch auf dem Weg zurück. Yukhym Konoplia arbeitet bereits umfangreich individuell und nähert sich dem Mannschaftstraining. Bei Jens Castrop wird die Rückkehr noch länger dauern.
Zento Uno und Fabio Chiarodia trainierten dagegen während der gesamten Woche mit der Mannschaft. Bei Uno will Borussia wegen seiner wiederkehrenden muskulären Beschwerden vorsichtig bleiben. Chiarodia hatte zuletzt rund 70 Minuten für die U23 absolviert und die Belastung nach Einschätzung des Trainerteams gut verkraftet.
Polanski hält Nguefack auch für die Startelf bereit
Durch Leopolds Ausfall rückt auch der junge Matthieu Nguefack stärker in den Blickpunkt. Polanski bescheinigte ihm große Fortschritte seit Beginn der Vorbereitung. Der Nachwuchsspieler sei dem Trainerteam bereits in der vergangenen Saison aufgefallen und habe schon als U19 Spieler Einsätze für die U23 absolviert.
Seinen ersten Bundesliga Einsatz habe sich Nguefack verdient. Polanski machte zugleich deutlich, dass der junge Mittelfeldspieler noch viel lernen müsse. Eine Rolle in der Startelf schloss der Trainer ausdrücklich nicht aus.
Auch Florian Neuhaus bleibt eine Option. Polanski erklärte, dass grundsätzlich alle Spieler, die vollständig am Mannschaftstraining teilnehmen, sowohl für den Spieltagskader als auch für die Anfangsformation infrage kommen. Dabei verwies der Trainer zugleich auf die Bedeutung der Einwechselspieler. Entscheidend seien nicht nur die ersten elf Spieler, sondern auch diejenigen, die im Verlauf einer Partie neue Impulse geben können.
Kühn bringt Borussia ein neues Offensivprofil
Mit Nicolas Kühn hat Borussia kurz vor dem Ende der Transferperiode noch einmal die Offensive verstärkt. Polanski zeigte sich mit der Verpflichtung ausgesprochen zufrieden. Der Linksfuß bringe mit seinem Tempo, seinen Fähigkeiten im direkten Duell und seiner Torgefahr Eigenschaften mit, die der Mannschaft in dieser Kombination bislang gefehlt hätten.
Kühn hatte vor seinem Wechsel die Vorbereitung absolviert und dabei auch Spielminuten gegen Paris FC, Liverpool und Arsenal gesammelt. In den ersten beiden Ligaspielen in Italien kam er allerdings nicht zum Einsatz.
Deshalb müsse Borussia ihn zunächst wieder vollständig in den Wettkampfrhythmus bringen. Ein Startelfeinsatz gegen Elversberg ist dennoch möglich. Polanski ließ ausdrücklich offen, ob Kühn beginnt, von der Bank kommt oder zunächst nicht eingesetzt wird.
Durch den Transfer sieht der Trainer die Positionen in Borussias Offensive nun mindestens doppelt besetzt. Auch für die jungen Spieler verändert das nach seiner Darstellung nichts an ihrer grundsätzlichen Chance. Sie müssten sich jedoch dem Konkurrenzkampf stellen. Einsatzgarantien werde es nicht geben.
Elversberg kommt nach historischem Sieg nach Mönchengladbach
Vor dem ersten Heimspiel der Saison warnten Polanski und Schröder davor, die SV Elversberg zu unterschätzen. Und der Respekt vor dem Aufsteiger kommt nicht von ungefähr.
Elversberg hat bei seiner Bundesliga Premiere am vergangenen Samstag unmittelbar für eine Überraschung gesorgt. Gegen Bayer Leverkusen gewann der Aufsteiger mit 3:2 und holte damit im ersten Bundesligaspiel seiner Vereinsgeschichte sofort drei Punkte.
Lukas Petkov erzielte in der achten Minute das erste Bundesligator der Elversberger Vereinsgeschichte. Nur eine Minute später erhöhte Cole Campbell auf 2:0. Nach der Pause erwischte der Aufsteiger erneut einen Blitzstart. David Mokwa traf bereits in der 46. Minute zum 3:0. Leverkusen kam durch Patrik Schick und Christian Kofane noch auf 3:2 heran, konnte die Niederlage aber nicht mehr verhindern.
Wie gefährlich Elversbergs Spielweise sein kann, zeigte sich besonders in der Anfangsphase. Der Aufsteiger agierte mit hohem Tempo und intensiver Zweikampfführung. Leverkusen leistete sich in der eigenen Hälfte mehrere Ballverluste und bekam vor allem das schnelle Umschaltspiel der Saarländer zunächst nicht in den Griff.
Für Borussia wartet damit ein ungewöhnlicher Bundesliga Gegner. Elversberg spielt erstmals in der Vereinsgeschichte im deutschen Oberhaus. Noch nie zuvor hatte der Verein ein Bundesligaspiel bestritten, ehe ausgerechnet gegen Leverkusen der erste Sieg gelang.
Der Klub kommt zudem aus einem der kleinsten Orte, die jemals einen Bundesligisten gestellt haben. Elversberg zählt rund 13.000 Einwohner. Mit dem Aufstieg kehrte zugleich erstmals seit mehr als 30 Jahren ein Verein aus dem Saarland in die Bundesliga zurück.
Polanski will Borussias eigenes Spiel durchsetzen
Vom erfolgreichen Bundesliga Start des Gegners will sich Polanski dennoch nicht beeindrucken lassen. Der Trainer hob vor allem die klare Spielidee der Elversberger hervor. Der Aufsteiger konzentriere sich stark auf die eigene Art Fußball zu spielen und lasse sich dabei wenig vom Gegner beeinflussen.
Genau diese Haltung will Polanski auch von seiner Mannschaft sehen. Borussia wisse, was auf sie zukomme, wolle im eigenen Stadion aber vor allem das eigene Spiel in den Vordergrund stellen.
Schröder bezeichnete Elversbergs Aufstieg in die Bundesliga als verdient. Die Mannschaft habe bereits gezeigt, dass sie nicht ausschließlich mit langen Bällen arbeite, sondern spielerische Lösungen suche, mit hoher Dynamik agiere und den Gegner früh anlaufe.
Nach dem Auftritt gegen Leverkusen dürfte der Überraschungseffekt zumindest kleiner geworden sein. Elversberg reist nicht nur als Bundesliga Neuling nach Mönchengladbach, sondern als Mannschaft, die bereits am ersten Spieltag gezeigt hat, dass sie auch gegen einen etablierten Gegner ihre eigene Spielidee durchsetzen kann.
Lehren aus der Niederlage in Leipzig
Während Elversberg mit drei Punkten nach Mönchengladbach kommt, wartet Borussia noch auf den ersten Zähler der neuen Bundesligasaison. Die Mannschaft von Polanski verlor zum Auftakt bei RB Leipzig mit 0:3.
Polanski nahm bei seiner Analyse vor allem die defensive Arbeit in den Blick. Mit der ersten Halbzeit zeigte sich der Trainer grundsätzlich zufrieden, die zweite Hälfte bewertete er deutlich kritischer.
Bei den Gegentoren habe seine Mannschaft Situationen zu spät erkannt und es versäumt, konsequent mit den Gegenspielern mitzugehen. Auch nach Ballverlusten sei die erste Reaktion nicht immer ausreichend gewesen. Gerade dieser Umschaltmoment soll gegen Elversberg besser funktionieren.
In der Offensive fordert Polanski gleichzeitig mehr Konsequenz. Borussia habe in Leipzig mehrere Situationen im letzten Drittel nicht sauber ausgespielt. Laufwege, Passentscheidungen und die letzte Aktion müssten präziser werden.
Auch Wael Mohya nahm der Trainer dabei in die Pflicht. Der junge Offensivspieler verfüge über große Qualitäten im Eins gegen Eins, müsse sich aber weiterentwickeln, wenn Gegenspieler körperlicher gegen ihn verteidigen. Polanski erwartet von ihm wie von der gesamten Mannschaft mehr Durchsetzungsvermögen in den entscheidenden Situationen.
Unterschiedliche Ausgangslage vor dem ersten Heimspiel
Damit treffen am zweiten Spieltag zwei Mannschaften mit völlig unterschiedlichem Start aufeinander. Borussia will nach dem 0:3 in Leipzig vor eigenem Publikum die ersten Punkte holen. Elversberg reist dagegen nach dem historischen 3:2 gegen Bayer Leverkusen mit drei Punkten nach Mönchengladbach.
Für Borussia geht es beim ersten Bundesliga Heimspiel der Saison zugleich darum, die positiven Ansätze aus der ersten Halbzeit in Leipzig über einen längeren Zeitraum auf den Platz zu bringen und die Fehler nach Ballverlusten abzustellen.
Elversberg hat bereits bewiesen, dass genau solche Situationen zu seinen Stärken gehören können.