Von erfundenen Notfällen am Telefon bis zu angeblichen Haushaltshilfen an der Haustür: In Mönchengladbach häufen sich Fälle von dreistem Trickbetrug und Diebstahl.
Die Maschen der Täter verändern sich ständig, das Ziel bleibt identisch. Opfer verlieren oft ihre gesamten Ersparnisse, wertvollen Familienschmuck oder Beträge im sechsstelligen Bereich. Menschen die ihr Lebenslang sparsam gelebt haben um Rücklagen zu schaffen. Ein Blick auf die Ermittlungen und Arbeit der Polizei Mönchengladbach zeigt die enorme Spannweite der Taten im Stadtgebiet.
Nächtlicher Anruf kostet mehr als 5.000 Euro
Am 28. September rief ein angeblicher Bankmitarbeiter gegen zwei Uhr nachts bei einer 38-jährigen Mönchengladbacherin an. Der Mann behauptete, das Konto der Frau müsse wegen einer neuen Betrugsmasche sofort gesperrt werden. Völlig überfordert mit der Situation folgte die Frau den Anweisungen und gab eine Transaktionsnummer frei. Am nächsten Morgen stellte die Betroffene fest, dass Kriminelle bereits Geld von insgesamt vier Konten abgebucht hatten. Der Gesamtschaden lag bei weit über 5.000 Euro. Sie blieb auf ihren Schaden sitzen.
Schockanrufer erbeuten sechsstelligen Betrag
Noch schlimmer traf es eine 83-jährige Seniorin aus Hardterbroich-Pesch bereits im vergangenen April. Ein angeblicher Rechtsanwalt spiegelte der Frau am Telefon vor, ihr Sohn und ihre Enkelin seien in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt und seien in Not. Eine zweite Anruferin weinte am Hörer und gab sich als Enkelin aus. Um eine angebliche Haft abzuwenden, übergab die Seniorin daraufhin mehrfach Bargeld an einen unbekannten Kurier. Die Gesamtsumme belief sich auf einen sechsstelligen Betrag.
Falsche Reinigungskräfte bestehlen Seniorinnen
Neben Telefonanrufen nutzen Täter vermehrt such Anzeigen in Lokalzeitungen. Am 4. Oktober erschien eine angebliche Haushaltshilfe in der Wohnung einer 76-Jährigen an der Lorenz-Görtz-Straße, nachdem die Bewohnerin per Inserat nach Unterstützung im Haushalt gesucht hatte. Während des Termins klingelte eine Komplizin an der Tür und verwickelte die Seniorin in ein Gespräch über Parkmöglichkeiten. Die vermeintliche Putzkraft nutzte die Ablenkung, durchsuchte das Schlafzimmer und stahl eine Schmuckkassette.
Einen ähnlichen Vorfall meldete die Polizei im September am Botzkuhlenweg. Ein Pärchen bot einer älteren Dame Hilfe bei Einkäufen an, kassierte Geld und kehrte nie zurück. Es fehlten anschließend Schmuckstücke und Geld von ihrem Konto.
Wasserwerker spiegeln Notfälle vor
Am 10. September versuchten zwei Männer in Rheydt und Hardterbroich-Pesch, sich als Mitarbeiter der Stadt Wasserwerke Zugang zu Wohnungen zu verschaffen. In Rheydt sollte eine 86-jährige Frau im Bad die Duschbrause festhalten. Als einer der Täter im Wohnzimmer einen Schrank öffnete, bemerkte die Frau den Betrug und warf die Männer sofort aus der Wohnung raus. Ein paar Tage später erbeuteten Unbekannte mit einer ähnlichen Masche zwei Schmuckkästen einer 90-Jährigen. Die Täterin erschien in Begleitung eines Kindes und gab vor, Rohrleitungen kontrollieren zu müssen.
Großrazzia deckt internationales Netzwerk auf
Hinter vielen Taten stecken professionelle Banden. Am 11. Juni durchsuchten mehr als 300 Einsatzkräfte 24 Objekte in Köln, Neuss, Dormagen, Aachen und Viersen. Die Ermittler vollstreckten sechs Haftbefehle gegen Tatverdächtige im Alter von 18 bis 34 Jahren. Die Gruppe soll von NRW und der Türkei aus agiert und Menschen, vor allem Ältere um mindestens 500.000 Euro gebracht haben. Die Dunkelziffer liegt noch höher . Bei den Durchsuchungen fanden die Polizeibeamten hohe Bargeldbeträge, Goldschmuck, Mobiltelefone und Computer und beschlagnahmten sie.
Vorsicht bei Wohnungskauf und Abzocke im Netz
Auch jüngere Bürger geraten ins Visier. Ende Januar zahlte ein Ehepaar in Eicken eine vierstellige Barkaution für eine Wohnung an der Alsstraße, die auf der Plattform Kleinanzeigen angeboten wurde. Bei der vereinbarten Schlüsselübergabe erschien niemand. Der angebliche Vermieter besaß keinerlei Rechte an der Immobilie, die wegen Sanierungsarbeiten leer stand.
Tipps der Polizei zum Schutz vor Abzocke
Die Mönchengladbacher Polizei rät zur erhöhten Aufmerksamheit. Banken fordern niemals TANs oder Passwörter am Telefon an. Wer verunsichert ist, sollte das Gespräch sofort beenden und die Bank unter der offiziellen Servicenummer selbst anrufen. Bei unangekündigten Besuchen von Handwerkern oder Ablesern hilft der Blick auf den Dienstausweis oder ein Kontrollanruf beim Unternehmen. Im Zweifel sollten Sie nicht warten, sondern sofort den Notruf 110 wählen.