
Borussia Mönchengladbach hat die Generalprobe vor dem Start in die Pflichtspielsaison bestanden. Bei der Saisoneröffnung im ista-Borussia-Park setzte sich die Mannschaft von Trainer Eugen Polanski am Samstagnachmittag mit 2:1 gegen den amtierenden Europa-League-Sieger Aston Villa durch. Kapitän Tim Kleindienst avancierte mit einem Doppelpack innerhalb von nur drei Minuten zum entscheidenden Mann des Spiels.
Es war der bislang prominenteste Gegner dieser Vorbereitung und zugleich der letzte Test, bevor für Borussia Mönchengladbach wieder Ergebnisse zählen. Gegen Aston Villa setzte sich die FohlenElf am Samstag, 15. August, mit 2:1 durch. Zur Pause führte Borussia bereits mit 2:0.
Damit beendeten die Gladbacher ihre Vorbereitung mit einer makellosen Testspielbilanz: Sieben Spiele, sieben Siege. Der Erfolg gegen den englischen Premier-League-Klub besaß dabei eine andere Aussagekraft als viele der vorherigen Partien. Aston Villa war als amtierender Sieger der UEFA Europa League nach Mönchengladbach gereist.
Kleindienst schlägt innerhalb von drei Minuten zweimal zu
Die entscheidende Phase der ersten Halbzeit begann nach gut einer halben Stunde.
In der 32. Minute brachte Tim Kleindienst die Gastgeber mit 1:0 in Führung. Franck Honorat war an der Entstehung beteiligt, Kleindienst vollendete aus kurzer Distanz flach. Nur drei Minuten später war Borussias Kapitän erneut zur Stelle: Nach einer Standardsituation von Kevin Stöger setzte sich der Mittelstürmer durch und traf per Kopf zum 2:0.
Der Doppelpack war vor allem mit Blick auf Kleindiensts persönliche Vorgeschichte bemerkenswert. Der Angreifer hatte aufgrund schwerer Knie- und Meniskusprobleme große Teile der vergangenen Saison verpasst und befand sich auch während der Vorbereitung weiterhin auf dem Weg zurück zu voller Belastbarkeit. SPORT1 verweist darauf, dass sein letzter Pflichtspiel-Startelfeinsatz zuvor bis zum Bundesligaspiel gegen Bayern München am 25. Mai 2025 zurückreichte.
Nach seinem Doppelpack formulierte Kleindienst sein wichtigstes Ziel entsprechend klar:
„Ich würde gerne gesund bleiben und so viele Spiele wie möglich machen.“
Das sagte der Gladbacher Kapitän nach der Partie im Interview mit SPORT1.
Borussia setzt Villa früh unter Druck
Gladbach ging mit Moritz Nicolas im Tor in die Begegnung. Vor ihm begannen Daiki Hashioka, Kevin Diks, Jan Leszczynski und Lukas Ullrich. Im Mittelfeld standen Philipp Sander und Kevin Stöger, davor Franck Honorat, Hugo Bolin und Robin Hack. Kleindienst führte die Mannschaft im Sturm und als Kapitän aufs Feld.
Aston Villa begann unter anderem mit Marco Bizot im Tor sowie Kosta Nedeljkovic, Victor Lindelöf, Tyrone Mings und Lamare Bogarde. Im Mittelfeld und Angriff standen Ross Barkley, George Hemmings, Alysson, Triston Rowe, Luka Lynch und Tammy Abraham.
Dass Villa nicht in seiner bestmöglichen Formation antrat, gehört zur Einordnung des Ergebnisses. Trainer Unai Emery veränderte seine Startelf gegenüber dem UEFA-Supercup gegen Paris Saint-Germain auf acht Positionen. Unter anderem kamen einige Stammkräfte zunächst nicht zum Einsatz.
Die Engländer hatten zudem erst am Mittwoch drei Tage vor dem Gastspiel in Mönchengladbach den UEFA-Supercup gegen Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain bestritten und mit 1:2 verloren.
Aston Villa kommt nach der Pause zurück
Emery reagierte zur zweiten Halbzeit mit mehreren Wechseln. Unter anderem kamen John McGinn, Emiliano Buendía, Boubacar Kamara, Ian Maatsen und Matty Cash ins Spiel. Später folgte auch Pau Torres.
Damit änderte sich der Charakter der Begegnung.
Villa erhöhte den Druck und kam in der 69. Minute zum Anschlusstreffer. John McGinn erhielt zentral im Gladbacher Strafraum die Gelegenheit zum Abschluss und verkürzte auf 2:1.
Die Partie war damit wieder offen. Ein zweiter Treffer der Engländer fiel allerdings nicht mehr.
Borussia brachte den Vorsprung über die Zeit und entschied damit auch den siebten Test der Vorbereitung für sich.
Polanski verteilt Spielzeit
Auch Eugen Polanski nutzte die zweite Halbzeit für Wechsel. Shuto Machino ersetzte Franck Honorat. Später kamen unter anderem Mathieu Nguefack, David Herold, Joe Scally und Fritz Fleck zum Einsatz. Kleindiensts Arbeitstag endete nach gut einer Stunde.
Gerade die begrenzte Einsatzzeit des Kapitäns passt zur vorsichtigen Belastungssteuerung nach dessen langer Verletzungspause. Schon wenige Tage vor dem Spiel hatte Polanski erklärt, Kleindienst sei noch nicht für die volle Distanz bereit.
Dass der Angreifer trotzdem bereits entscheidenden Einfluss auf ein Spiel gegen einen europäischen Titelträger nehmen konnte, dürfte für Borussia zu den wichtigsten Erkenntnissen dieser Generalprobe gehören.
Kleindienst: „Sehr, sehr guter Gegner“
Der Kapitän selbst stellte nach Abpfiff weniger seine beiden Treffer als den Wert des gesamten Tests heraus. Gegen Aston Villa habe Borussia einen
„sehr, sehr guten Gegner“
gehabt. Besonders zufrieden zeigte sich Kleindienst mit
„der Art und Weise, wie wir das Spiel bestritten haben.“
Beide Aussagen stammen aus seinem Interview nach der Begegnung und wurden von SPORT1 veröffentlicht.
Für Kleindienst geht es dabei nicht nur um die Rückkehr als Führungsspieler der Borussia. Nach seinen bisherigen Auftritten für die deutsche Nationalmannschaft hat der Stürmer auch das DFB-Team weiterhin im Blick.
„Es gibt keinen Grund, warum ich das einfach so streichen würde. Als ich in der Nationalmannschaft war, habe ich gute Leistungen gezeigt.“
Eine mögliche Rückkehr zur Nationalmannschaft bezeichnete er allerdings lediglich als
„immer dieser Bonus“
für entsprechende Leistungen im Verein.
Damit ist seine Priorität klar: zunächst dauerhaft fit werden und bei Borussia wieder regelmäßig spielen.
Sieben Spiele, sieben Siege
Sportlich beendet Borussia die Vorbereitung damit ohne Niederlage.
Der Sieg gegen Aston Villa war der siebte Erfolg im siebten Vorbereitungsspiel. Gerade das letzte Ergebnis dürfte Polanski deshalb gefallen: Während Resultate gegen unterklassige Gegner nur begrenzte Aussagekraft besitzen, stellte der Europa-League-Sieger aus Birmingham eine deutlich anspruchsvollere Prüfung dar.
Gleichzeitig darf das 2:1 nicht überbewertet werden. Aston Villa kam nur drei Tage nach dem UEFA-Supercup nach Mönchengladbach und rotierte seine Mannschaft erheblich. Die Partie war deshalb kein Vergleich zweier Mannschaften unter normalen Pflichtspielbedingungen.
Dennoch bleibt für Borussia eine positive Erkenntnis: Die Mannschaft bestand auch den bislang härtesten Test ihrer Vorbereitung.
Mehr als 50.000 Fans bei der Saisoneröffnung
Der sportliche Härtetest bildete zugleich den Höhepunkt des ersten Tages der offiziellen Saisoneröffnung.
Borussia teilte am Abend mit, dass mehr als 50.000 Fans zum Auftakt der Saisoneröffnung gekommen waren. Bereits vor der Partie waren rund 47.000 Tickets verkauft.
Der Klub hatte rund um die Begegnung ein umfangreiches Programm organisiert. Nach dem Spiel war unter anderem eine „Stimme zum Spiel“ von Präsident Rainer Bonhof vorgesehen, später präsentierte sich die Mannschaft von Eugen Polanski den Anhängern.
Jetzt zählt es: DFB-Pokal statt Testspiele
Mit dem Abpfiff gegen Aston Villa ist die Phase der Vorbereitung praktisch beendet.
Am Sonntag, 23. August, wartet das erste Pflichtspiel. Borussia tritt in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Oberligisten TSV Schott Mainz an. Anstoß ist um 15.30 Uhr.
Danach beginnt die Bundesliga. mit dem Spiel gegen RB Leipzig.
Für Polanski und seine Mannschaft endet damit eine Vorbereitung, die zumindest nach Ergebnissen nicht besser hätte verlaufen können. Sieben Testspiele, sieben Siege und zum Abschluss ein 2:1 gegen den amtierenden Europa-League-Sieger.
Der auffälligste Mann der Generalprobe war ausgerechnet der Spieler, auf dessen vollständige Rückkehr Borussia lange warten musste: Tim Kleindienst.
Zwei Tore innerhalb von drei Minuten, 62 Minuten Spielzeit und anschließend eine klare Botschaft.
Der Kapitän ist wieder da die entscheidende Frage ist nun, ob Borussia die Leistungen aus der Vorbereitung auch dann bestätigen kann, wenn aus Testspielen Pflichtspiele werden.
