
Sieben Tore, zwei Elfmeter, ein verschossener Strafstoß und eine Schlussphase, in der Borussia Mönchengladbach noch einmal alles versuchte: Das Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 hatte reichlich Dramatik zu bieten. Am Ende stand für die Fohlen dennoch die nächste Niederlage. Borussia verlor vor 50.717 Zuschauern im ista-Borussia-Park mit 3:4 (1:2).
Dabei zeigte die Mannschaft über weite Strecken ein anderes Gesicht als zuletzt. Borussia ging früh in Führung, kämpfte sich nach einem Rückstand zum 2:2 zurück und gab sich selbst nach dem 2:4 nicht geschlagen. Entscheidend war am Ende jedoch, dass Mainz seine Möglichkeiten konsequenter nutzte und Gladbach vor allem bei entscheidenden Situationen im eigenen Strafraum zu anfällig blieb.
Die Gladbacher Treffer erzielten Florian Neuhaus, Isac Lidberg und Shuto Machino. Für Mainz waren Phillip Tietz, Sheraldo Becker, Eric Martel und Danny da Costa erfolgreich.
Neuhaus steht überraschend in der Startelf und trifft sofort
Interimscoach Jan-Moritz Lichte veränderte die Mannschaft deutlich. Isac Lidberg, Lukas Ullrich, Jan Leszczyński und Florian Neuhaus rückten in die Startelf. Kapitän Tim Kleindienst fehlte gesperrt.
Besonders die Rückkehr von Neuhaus sorgte für Aufmerksamkeit. Der Mittelfeldspieler hatte in der bisherigen Saison kaum eine Rolle gespielt. Gegen Mainz bekam er seine Chance von Beginn an und benötigte nicht lange, um sie zu nutzen.
In der elften Minute zog Lukas Ullrich nach innen und suchte den Abschluss. Neuhaus hielt den Fuß in den Ball und veränderte dessen Richtung entscheidend. Mainz-Torwart Alexander Schwolow hatte keine Möglichkeit mehr einzugreifen.
1:0 für Borussia.
Nur wenige Minuten später bot sich sogar die Gelegenheit zum zweiten Treffer. Jan Leszczyński kam nach einer Ecke zum Kopfball, Schwolow verhinderte jedoch das 2:0.
Borussia war im Spiel und hatte zunächst die gewünschte Kontrolle.
Mainz antwortet schnell
Die Führung hielt allerdings nur wenige Minuten.
In der 18. Minute bekam Sheraldo Becker im Gladbacher Strafraum den Ball und legte auf Phillip Tietz ab. Der Mainzer Angreifer setzte sich durch und vollendete aus kurzer Entfernung zum 1:1.
Die Partie war wieder offen.
Mainz wurde anschließend gefährlicher. Becker zwang Moritz Nicolas mit einem kräftigen Abschluss zu einer Parade. Borussia kam ebenfalls zu Möglichkeiten. Hugo Bolin scheiterte mit einem Abschluss an Schwolow, später parierte der Mainzer Schlussmann einen Kopfball von Ko Itakura.
Als vieles bereits nach einem 1:1 zur Halbzeit aussah, schlugen die Gäste noch einmal zu.
Anthony Caci brachte den Ball von rechts in den Gladbacher Strafraum. Becker bekam im Zentrum den nötigen Raum und köpfte zum 1:2 ein.
Das Spiel war innerhalb einer Halbzeit komplett gedreht.
Diks vergibt vom Punkt
Nach dem Seitenwechsel benötigte Borussia zunächst einige Minuten, um wieder Zugriff auf die Begegnung zu bekommen. Danach erhöhte die Mannschaft den Druck.
In der 57. Minute bekam Gladbach die große Gelegenheit zum Ausgleich.
Nach einer Ecke berührte Tietz den Ball mit der Hand. Nach Überprüfung der Szene gab Schiedsrichter Robert Hartmann Strafstoß.
Kevin Diks übernahm Verantwortung.
Der Gladbacher Kapitän setzte den Ball jedoch an den Pfosten.
Der mögliche Ausgleich war vergeben.
Bemerkenswert war die unmittelbare Reaktion der Mannschaft. Borussia brach nach dem Fehlschuss nicht auseinander, sondern setzte Mainz sofort wieder unter Druck.
Lidberg erzielt sein erstes Bundesliga-Tor für Borussia
Nur zwei Minuten nach dem verschossenen Elfmeter fiel tatsächlich das 2:2.
Wieder war Lukas Ullrich beteiligt. Er brachte den Ball zum langen Pfosten, wo Isac Lidberg frei zum Abschluss kam und aus kurzer Entfernung traf.
Für den Schweden war es sein erstes Bundesliga-Tor im Trikot von Borussia Mönchengladbach.
Spätestens jetzt war das Spiel vollkommen offen.
Gladbach hatte einen Rückstand aufgeholt und nach dem verschossenen Strafstoß sofort eine Antwort gefunden. In dieser Phase schien die Partie in beide Richtungen kippen zu können.
Zwei Mainzer Joker entscheiden die Partie
Die Entscheidung fiel schließlich in der Schlussphase und aus Gladbacher Sicht besonders bitter.
In der 78. Minute brachte Mainz den Ball nach einer Ecke erneut in den Strafraum. Kaishu Sano hob die Kugel an den zweiten Pfosten. Dort setzte sich der eingewechselte Eric Martel durch und köpfte aus kurzer Entfernung zum 2:3 ein.
Für Martel war es ein besonderes Comeback. Nach einer Verletzung in der Vorbereitung hatte er längere Zeit gefehlt. In Mönchengladbach kam er zu seinem ersten Einsatz für Mainz und traf direkt.
Borussia musste erneut einem Rückstand hinterherlaufen.
Lichte reagierte und brachte weitere Offensivkräfte. Unter anderem kamen Robin Hack und Shuto Machino.
Doch Mainz setzte den nächsten Treffer.
Nach einer Ecke von Nadiem Amiri kam Stefan Posch zum Kopfball. Nicolas konnte zunächst abwehren. Danny da Costa reagierte beim Abpraller am schnellsten und schob den Ball in der 89. Minute zum 2:4 über die Linie.
Mainz hatte damit innerhalb von elf Minuten zweimal getroffen. Beide Torschützen waren während des Spiels eingewechselt worden.
Machino bringt Borussia noch einmal heran
Entschieden war die Begegnung trotzdem noch nicht.
In der Nachspielzeit bekam Gladbach den zweiten Strafstoß des Nachmittags zugesprochen. Martel hatte den Ball im Strafraum mit dem Arm berührt.
Dieses Mal trat Shuto Machino an.
Der Japaner verwandelte und verkürzte auf 3:4.
Plötzlich war wieder Spannung im Borussia-Park.
Gladbach warf in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorne. Tatsächlich bekam die Mannschaft noch eine Möglichkeit zum Ausgleich. Wael Mohya versuchte es mit einem Drehschuss, der Ball ging jedoch am Mainzer Tor vorbei.
Kurz darauf war Schluss.
Borussia Mönchengladbach 3, Mainz 05 4.
Drei Gladbacher Tore reichen nicht
Das Ergebnis erzählt nur einen Teil der Geschichte. Borussia entwickelte offensiv deutlich mehr Gefahr und kam selbst nach mehreren Rückschlägen wieder zurück.
Auch die Daten unterstreichen, dass Gladbach genügend Möglichkeiten für ein anderes Ergebnis hatte. Die Bundesliga weist für Borussia einen Expected-Goals-Wert von 3,22 aus, Mainz kam auf 2,32. Vereinfacht ausgedrückt bewertet dieses Modell die Qualität der herausgespielten Torchancen. Borussia hatte demnach Chancen, die statistisch etwas mehr als drei Treffer erwarten ließen. Tatsächlich erzielte die Mannschaft drei Tore.
Der entscheidende Unterschied lag damit weniger in der Anzahl der eigenen Treffer als darin, dass Gladbach erneut vier Gegentore kassierte.
Auch Jan-Moritz Lichte sprach dieses Problem nach dem Spiel deutlich an. Besonders die Situationen im eigenen Strafraum beschäftigten ihn. Bei entscheidenden Mainzer Angriffen verlor Borussia die Duelle und konnte die Situationen nicht konsequent genug klären.
Gerade der Treffer von Martel zum 2:3 und das spätere 2:4 entstanden nach Standardsituationen.
Neuhaus nutzt seine Chance
Zu den auffälligsten Gladbacher Personalien gehörte Florian Neuhaus.
Seine Nominierung für die Startelf war eine Überraschung. Lichte erklärte nach der Begegnung, das Trainerteam habe sich die vorhandenen Möglichkeiten angesehen und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass Neuhaus für das geplante System genau der benötigte Spielertyp sei.
Neuhaus zahlte dieses Vertrauen früh zurück.
Neben seinem Treffer zum 1:0 war er in mehrere Gladbacher Aktionen eingebunden. Lichte zeigte sich nach dem Spiel mit seiner Leistung ausdrücklich zufrieden.
Auch Lukas Ullrich spielte bei den Gladbacher Toren eine wichtige Rolle. Sein Abschluss führte zum 1:0 von Neuhaus, außerdem bereitete er Lidbergs 2:2 vor.
Becker wird zum entscheidenden Mainzer Spieler
Auf Mainzer Seite spielte Sheraldo Becker eine zentrale Rolle.
Beim 1:1 bereitete er den Treffer von Phillip Tietz vor. Das 1:2 erzielte er selbst per Kopf.
Die Bundesliga zeichnete Becker anschließend als Man of the Match aus. Nach den offiziellen Spieldaten bewältigte er in der ersten Halbzeit zwölf von zwölf erfassten Drucksituationen erfolgreich und erreichte unter Druck eine Passquote von 90 Prozent.
Auch die Geschwindigkeit des Angreifers fiel auf. Die Bundesliga erfasste für Becker eine Höchstgeschwindigkeit von 34,5 km/h.
Mainz nutzt die entscheidenden Momente
Das Spiel lässt sich nicht auf den verschossenen Elfmeter von Kevin Diks reduzieren. Borussia glich nur zwei Minuten später trotzdem aus.
Entscheidender war die Phase danach.
Nach dem 2:2 gelang es Gladbach nicht, die Begegnung endgültig auf die eigene Seite zu ziehen. Mainz reagierte mit seinen Wechseln und erhielt durch Martel und da Costa genau die Wirkung von der Bank, die den Gästen schließlich den Sieg brachte.
Mainz selbst beschrieb die Begegnung anschließend als eine wilde Achterbahnfahrt. Zwei eingewechselte Spieler erzielten die entscheidenden Treffer zum 2:3 und 2:4.
Für Borussia blieb dagegen eine Partie, in der die Mannschaft offensiv drei Tore erzielte, einen weiteren Elfmeter bekam und sich mehrfach zurückkämpfte, dafür aber defensiv erneut zu viele entscheidende Situationen verlor.