Borussia Mönchengladbach reist am Samstag, 12. September 2026, zum SC Freiburg. Nach zwei Niederlagen zum Bundesliga Start braucht die Mannschaft von Eugen Polanski dringend die ersten Punkte. Ausgerechnet jetzt wartet jedoch einer der unangenehmsten Gegner der vergangenen Jahre.
Der Saisonstart ist für Borussia Mönchengladbach gründlich misslungen. Nach dem 0:3 bei RB Leipzig folgte eine Woche später eine Niederlage, die noch deutlich länger nachwirkte. Gegen Aufsteiger SV Elversberg führte Gladbach zwischenzeitlich mit 3:1 und stand am Ende dennoch mit einem 3:4 und leeren Händen da.
Am Samstag um 15.30 Uhr wartet im Europa Park Stadion nun der SC Freiburg. Und damit ein Gegner, gegen den Borussia seit Jahren erhebliche Schwierigkeiten hat.
Polanski fordert endlich Punkte

Trainer Eugen Polanski versuchte vor dem Auswärtsspiel nicht, die Situation kleinzureden. Die Niederlage gegen Elversberg habe ihn und die Mannschaft hart getroffen.
Dabei sieht Polanski durchaus Fortschritte. In Energie, Laufleistung, Sprintleistung und Intensität erkennt der Trainer eine deutliche Entwicklung gegenüber der vergangenen Saison. Doch nach zwei Bundesliga Spielen steht Borussia trotzdem ohne einen einzigen Punkt da.
Genau darin liegt derzeit das zentrale Problem.
Gladbach zeigte gegen Elversberg über weite Strecken eine Leistung, mit der sich Polanski grundsätzlich zufrieden zeigte. Bis etwa zur 65. Minute habe seine Mannschaft ein richtig gutes Spiel gemacht. Danach brach die Partie durch eine Reihe individueller Fehler vollständig weg.
Polanskis Konsequenz daraus ist eindeutig: Gute Phasen reichen nicht mehr. Borussia muss ihre Leistung über 90 Minuten stabilisieren und endlich daraus Punkte machen.
Auch überregional wird genau diese Diskrepanz inzwischen zum Thema. Die Deutsche Presse Agentur fasste Polanskis Situation vor Freiburg mit der Forderung zusammen, die erkennbaren Fortschritte endlich in Ergebnisse umzuwandeln.
Freiburg könnte kaum unangenehmer kommen
Dass ausgerechnet jetzt der SC Freiburg wartet, macht die Aufgabe erheblich schwieriger.
Die Mannschaft von Trainer Julian Schuster ist hervorragend in die neue Saison gestartet. Freiburg gewann sämtliche fünf bisherigen Pflichtspiele. In der Bundesliga gab es zunächst ein 4:1 gegen Werder Bremen und anschließend einen 1:0 Auswärtssieg beim SC Paderborn.
Damit steht Freiburg nach zwei Spieltagen bei sechs Punkten und einem Torverhältnis von 5:1.
Noch beeindruckender ist die gesamte Pflichtspielbilanz. In fünf Begegnungen erzielten die Freiburger bereits 17 Tore. Zehn verschiedene Spieler trafen dabei.
Besonders gut gestartet sind Igor Matanovic mit vier Toren und zwei Vorlagen sowie Derry Scherhant mit einem Treffer und fünf Vorlagen.
Mit einem weiteren Sieg könnte Freiburg sogar Vereinsgeschichte schreiben. Noch nie startete der Sport Club mit drei Siegen aus den ersten drei Bundesliga Spielen in eine Saison. Die bisherige Bestmarke stammt aus der Spielzeit 2021/22 mit sieben Punkten nach drei Partien.
Gladbachs Freiburger Horrorbilanz
Für Borussia kommt noch eine weitere Zahl hinzu, die kaum Mut macht.
Seit zehn Bundesliga Spielen wartet Gladbach gegen Freiburg auf einen Sieg. Im Breisgau ist die Serie noch drastischer. Seit März 2002 hat Borussia kein Bundesliga Spiel mehr in Freiburg gewonnen.
Die offizielle Statistik des SC Freiburg führt mittlerweile 18 Bundesliga Heimspiele in Folge gegen Gladbach ohne Niederlage. Zwölf davon gewann Freiburg, sechs endeten unentschieden. Gegen keinen anderen Gegner weist der SC eine vergleichbare Heimserie auf.
Auch in der vergangenen Saison blieb Gladbach im Breisgau ohne Erfolg. Freiburg gewann die Partie mit 2:1.
Polanski kennt diese Zahlen. Seine Erklärung dafür fällt allerdings weniger mystisch aus. Freiburg sei schlicht eine Mannschaft und ein Verein, die seit Jahren viele Dinge sehr gut machten.
Besonders beeindruckt zeigt sich Gladbachs Trainer von der Kontinuität des Gegners. Abläufe, Spielzüge und defensive wie offensive Muster seien über Jahre wiederzuerkennen. Freiburg schaffe es zudem, Spielerprofile auf dem Transfermarkt gezielt zu ersetzen und seine Spielweise dadurch stabil zu halten.
Auch bei Standards erwartet Polanski einen ausgesprochen gefährlichen Gegner.
Freiburg erwartet eine aggressive Borussia
Julian Schuster lässt sich vom schlechten Gladbacher Saisonstart allerdings nicht täuschen.
Der Freiburger Trainer weiß aus eigener Erfahrung, wie sich zwei Niederlagen zum Saisonauftakt auf eine Mannschaft auswirken können. Freiburg selbst verlor zu Beginn der vergangenen Saison zunächst gegen Augsburg und anschließend in Köln.
Schuster erwartet deshalb eine Gladbacher Mannschaft, die mit besonders hoher Konzentration und Intensität auftreten wird.
„Wir können uns gut vorstellen, mit welchem Fokus und welcher Haltung die Spieler in Mönchengladbach in dieser Woche trainiert haben und wie sie am Samstag hier auftreten wollen“, erklärte der Freiburger Trainer.
Die Tabellenposition des Gegners spielt für Freiburg deshalb in der Vorbereitung kaum eine Rolle.
Borussia fehlen fünf Spieler sicher
Erschwert wird die Aufgabe für Polanski durch die weiterhin angespannte Personallage.
Nicolas Kühn fällt nach seiner Verletzung ebenso aus wie Yukhym Konoplia, Jens Castrop, Daiki Hashioka und Enzo Leopold.
Bei Kühn möchte Borussia mit einer weiteren Untersuchung am Montag genauer feststellen, wie schwer die Muskelverletzung tatsächlich ist und wie lange der Neuzugang ausfallen wird.
Polanski wollte sich deshalb bewusst nicht auf eine konkrete Ausfallzeit festlegen.
Die Situation trifft Borussia besonders hart, weil mehrere der verletzten Spieler erst im Sommer zur Mannschaft gekommen sind. Sportchef Rouven Schröder will daraus allerdings keine Ausrede ableiten. Die Mannschaft müsse mit der Situation umgehen und den Blick auf die verfügbaren Spieler richten.
Zento Uno soll über die U23 zurückkommen
Bei Zento Uno verfolgt Borussia zunächst einen anderen Weg.
Der Mittelfeldspieler trainierte bereits mit der U23 und soll dort am Samstag sein erstes Spiel nach seiner Verletzung absolvieren. Damit dürfte er für die Bundesliga Partie in Freiburg zunächst keine Rolle spielen.
Für Borussia geht es darum, Uno kontrolliert wieder an Wettkampfbelastung heranzuführen.
Wird Florian Neuhaus plötzlich wieder wichtig?
Damit rückt zwangsläufig Florian Neuhaus stärker in den Mittelpunkt.
Der 29-Jährige gehörte an den ersten beiden Bundesliga Spieltagen nicht zum Kader. Seine Situation hat sich durch die Ausfälle im zentralen Mittelfeld jedoch verändert.
Polanski stellte vor Freiburg ausdrücklich klar, dass Neuhaus nicht abgeschrieben sei.
Der ehemalige Nationalspieler habe eine ordentliche bis gute Vorbereitung absolviert, gut trainiert und die Anforderungen der sportlichen Führung angenommen. Er sei ein vollwertiges Mitglied der Mannschaft und habe grundsätzlich die Möglichkeit, wieder Spielzeit zu bekommen.
Das gilt ausdrücklich auch für Freiburg.
Neuhaus bringt eine Erfahrung mit, die dem stark verjüngten Gladbacher Mittelfeld derzeit durchaus helfen könnte. BILD nennt 207 Bundesliga Einsätze des Mittelfeldspielers und sieht ihn deshalb als mögliche Antwort auf Borussias Probleme im Zentrum.
Ob Polanski tatsächlich auf Neuhaus setzt, ließ der Trainer offen.
Nguefack bleibt eine Option
Auch Mathieu Nguefack könnte erneut eine Rolle spielen.
Der erst 18 Jahre alte Mittelfeldspieler durfte gegen Elversberg erstmals vor eigenem Publikum von Beginn an auflaufen. Trotz einiger Fehler verteidigte Polanski die Leistung seines Talents deutlich.
Nguefack absolvierte die meisten Kilometer der Gladbacher und gehörte auch bei den intensiven Läufen zu den auffälligen Spielern.
Dass er während der zweiten Hälfte nicht ausgewechselt wurde, hatte nach Aussage Polanskis vor allem personelle Gründe. Andere Spieler mussten aufgrund körperlicher Probleme vom Platz, wodurch die verfügbaren Wechselmöglichkeiten eingeschränkt waren.
Polanski möchte den Nachwuchsspieler deshalb nicht an einzelnen Fehlern messen. Junge Spieler müssten die Möglichkeit erhalten, Erfahrungen zu sammeln.
Für Freiburg ist Nguefack erneut eine Startelfoption. Allerdings stellte Polanski klar, dass eine erneute Nominierung nicht allein aufgrund seines Alters erfolgen werde. Er müsse sich seinen Platz genauso verdienen wie jeder andere Spieler.
Kleindienst darf weiter Klartext reden
Für Gesprächsstoff sorgte nach dem Elversberg Spiel auch Kapitän Tim Kleindienst.
Der Angreifer hatte die Leistung seiner Mannschaft öffentlich deutlich kritisiert. Seine Aussagen führten anschließend zu einem Gespräch mit der sportlichen Führung.
Ein Maulkorb war das nach Aussage von Sportchef Rouven Schröder allerdings ausdrücklich nicht.
Borussia wolle einen Kapitän, der Verantwortung übernimmt, vorangeht und Probleme anspricht. Schröder stellte deshalb klar, dass Kleindienst weiterhin deutlich seine Meinung sagen dürfe.
Sport1 und GladbachLive berichten ebenfalls, dass Borussia die öffentliche Interpretation einer Abmahnung zurückweist.
Gleichzeitig bleibt die Verantwortung des Kapitäns gegenüber der gesamten Mannschaft ein Thema. Kritik soll Probleme benennen, darf die Gruppe aber nicht auseinanderziehen.
Individuelle Fehler müssen verschwinden
Und genau dort liegt wahrscheinlich der entscheidende Punkt für Samstag.
Borussia hat in den ersten beiden Spielen gezeigt, dass sie Phasen mit hoher Intensität und gutem Fußball spielen kann. Gegen Elversberg führte die Mannschaft 3:1. Trotzdem steht sie nach zwei Spieltagen mit null Punkten da.
Die sportliche Führung führt den Zusammenbruch gegen Elversberg vor allem auf individuelle Fehler zurück.
In Freiburg kann sich Gladbach diese Fehler kaum leisten.
Der Sport Club spielt seit Jahren mit klaren Abläufen, hoher Disziplin und großer Konsequenz. Hinzu kommt die enorme Gefahr bei Standards.
Polanski will deshalb trotz der angespannten Situation nicht grundsätzlich von seinem Fußball abrücken. Borussia soll auch in Freiburg mutig auftreten und ihre eigene Spielidee verfolgen.
Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft diesmal über 90 Minuten die notwendige Konzentration aufrechterhalten kann.
Für Borussia zählt jetzt das Ergebnis
Nach zwei Spielen ist selbstverständlich noch keine Saison entschieden. Trotzdem hat sich die Ausgangslage innerhalb von nur zwei Wochen erheblich verschärft.
Freiburg reist mit maximalem Selbstvertrauen in dieses Spiel, auch wenn der SC diesmal gar nicht reisen muss. Borussia dagegen muss im Europa Park Stadion eine Negativserie beenden, die seit fast einem Vierteljahrhundert Bestand hat.
Polanski versucht, seiner Mannschaft Vertrauen in die guten Phasen der ersten Spiele zu vermitteln. Gleichzeitig weiß der Trainer, dass Entwicklungswerte irgendwann auf der Anzeigetafel sichtbar werden müssen.
Laufleistung, Sprints und Intensität können Fortschritt dokumentieren.
In der Bundesliga entscheiden am Ende Punkte.
Und genau davon braucht Borussia Mönchengladbach am Samstag die ersten.
Anstoß: Samstag, 12. September 2026, 15.30 Uhr
Spielort: Europa Park Stadion, Freiburg
Wettbewerb: Bundesliga, 3. Spieltag
Übertragung: Sky