Es ist eine Tat, die im Kreis Viersen auch nach Jahrzehnten tief sitzt. Im Sommer 1990 wurde die damals 18-jährige Ewa M. auf dem Heimweg überfallen und lebensgefährlich verletzt. Jetzt greift die Cold-Case-Einheit der Polizei Mönchengladbach den Fall gemeinsam mit dem Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft Krefeld noch einmal an, weil die Ermittler auf moderne Technik, eine DNA-Spur und menschliche Hilfe setzen.
Der kalte Augustabend des Jahres 1990 endete für die junge Frau in einem Albtraum. Ewa M. war am Sonntag, dem 12. August, nach einem Treffen mit einer Freundin an einer Bushaltestelle bei Tönisvorst auf dem Weg nach Vorst. Gegen 21.45 Uhr schlug der Angreifer kurz vor dem Ortseingang zu, sodass er sie in einen Graben zerrte, mit einer Vergewaltigung drohte und mehrfach mit einem Messer auf die 18-Jährige einstach. Erst als sie regungslos am Boden lag, ließ er von ihr ab und verschwand im Dunkeln. Ein zufällig vorbeikommender Radfahrer entdeckte die Schwerverletzte etwa eine halbe Stunde später, und nur eine sofortige Notoperation im Krankenhaus rettete ihr damals das Leben.
Neue Spuren und alter Schrecken
Dass die Akten nach all der Zeit nicht im Schrank verstauben, liegt an der Entschlossenheit der Ermittler. Kapitalverbrechen verjähren in Deutschland schließlich nicht. Im Rahmen der regionalen Öffentlichkeitskampagne „Mord verjährt nicht. Der Niederrhein erinnert sich“ nehmen die Spezialisten den Fall nun komplett neu auseinander. Dabei setzen sie auf Spurenmaterial, das im Jahr 1990 technisch schlicht noch undenkbar war.
Schon im Jahr 2001 hatten Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes bei einer erneuten Untersuchung ein unbekanntes männliches DNA-Profil am Tatort gesichert. Bis heute passt dieses Profil zu keinem Mann in den Datenbanken, obwohl bekannte Personen aus dem Umfeld des Opfers als Täter ausgeschlossen werden konnten.
Die Spur zum unbekannten Zeugen

Zudem lenken die Ermittler den Blick auf eine Begegnung kurz vor der Tat. Ewa M. war damals rund acht bis zehn Gehminuten vor dem Ortseingang einem jungen Mann begegnet, der ihr zu Fuß aus Richtung Vorst entgegenkam. Dieser Unbekannte wurde bis heute nicht gefunden, obwohl das Opfer ihn damals auf 20 bis 25 Jahre schätzte. Heute müsste dieser Mann zwischen Mitte Fünfzig und Anfang Sechzig sein. Ewa beschrieb ihn als sehr schlank, etwa 1,75 bis 1,85 Meter groß, mit hellen, kinnlangen Haaren, die ihm in das Gesicht fielen. Damals trug er eine ausgewaschene hellblaue Jeans, ein weißes T-Shirt mit hellblauen Querstreifen sowie helle Turnschuhe mit dunklen Streifen.
Die Ermittler gehen zudem der Frage nach, ob der Täter sich bei der heftigen Gegenwehr des Opfers damals selbst an den Händen verletzt haben könnte. Oft sind es Kleinigkeiten, unbedachte Andeutungen im Bekanntenkreis oder veränderte Lebensumstände, die nach so vielen Jahren Bewegung in solche Verfahren bringen.
Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat und zur Identifizierung des Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft Krefeld eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt. Die Polizei Mönchengladbach nimmt Hinweise unter der Rufnummer 02161 290 oder per E-Mail an mk.vorst.Moenchengladbach@polizei.nrw.de entgegen.