
Nach dem groß angelegten Schlag gegen die internationale Rauschgiftkriminalität in Mönchengladbach und den umliegenden Kreisen zeichnet sich das Ausmaß der Ermittlungen immer deutlicher ab. Wie die Polizei Mönchengladbach und die Staatsanwaltschaft Krefeld nun in einer Nachtragsmeldung bestätigten, sitzen mittlerweile vier Tatverdächtige in Untersuchungshaft.
Hinter den Kulissen führt die Ermittlungskommission (EK) „Awari“ des Polizeipräsidiums Mönchengladbach ein komplexes Verfahren, das sich insgesamt gegen neun deutsche und niederländische Staatsangehörige richtet. Den Männern wird vorgeworfen, im großen Stil mit Betäubungsmitteln gehandelt und in angemieteten Hallen illegale Labore zur Herstellung von Amphetamin betrieben zu haben.
Durchsuchungen in drei Kreisen und den Niederlanden Der koordinierte Zugriff erfolgte an zahlreichen Adressen in der gesamten Region: Neben Objekten in Mönchengladbach nahmen die Einsatzkräfte zwei Gebäude im Kreis Viersen sowie sieben Anschriften im Kreis Heinsberg ins Visier. Parallel durchsuchte die niederländische Polizei drei Objekte im Nachbarland.
Bereits im Vorfeld lagen gegen drei Hauptverdächtige Haftbefehle vor, die beim Zugriff direkt vollstreckt wurden. Zwei von ihnen befinden sich in Deutschland in Haft, einer in den Niederlanden. Drei weitere Männer wurden vor Ort vorläufig festgenommen. Während zwei von ihnen nach einer Prüfung der Haftgründe wieder auf freien Fuß kamen, wurde der dritte Verdächtige am Donnerstag einem Haftrichter am Amtsgericht Krefeld vorgeführt. Auch für ihn endete der Tag in der Justizvollzugsanstalt.
Maschinenpistole und Drogenküche entdeckt Was die Ermittler bei den Durchsuchungen sicherstellten, untermauert die Schwere der Vorwürfe. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte neben kiloweise Cannabis und einer fünfstelligen Bargeldsumme auch mehrere Schusswaffen – darunter eine Maschinenpistole.
Zudem stießen die Beamten in einer Lagerhalle in Niederkrüchten (Kreis Viersen) auf ein aktives Chemielabor zur Drogenherstellung. Weil bei der Produktion von synthetischen Drogen hochgiftige Gase entstehen können, war der Einsatz an dieser Stelle besonders riskant: Neben einem Spezialeinsatzkommando (SEK) mussten Spezialeinheiten der Berufsfeuerwehr (Analytische Task Force) und Experten des Landeskriminalamtes (LKA) anrücken, um die Luftwerte zu überprüfen, bevor die Kriminaltechnik mit der Spurensicherung beginnen konnte.
Gefahr für die Umwelt und internationale Verstrickungen Das Verfahren beschäftigt nicht nur die lokalen Behörden. Neben Europol ist auch die Gemeinsame Grundstoffüberwachungsstelle des Bundeskriminalamtes (BKA) eingeschaltet. Der Grund: Die Täter sollen die hochgiftigen Produktionsabfälle (das sogenannte Dumping) illegal in der Umgebung entsorgt haben, was erhebliche Umweltgefahren birgt. Zudem beteiligte sich die polnische Polizei an den Ermittlungen am Einsatztag, da die Beschaffungswege der chemischen Grundstoffe bis nach Polen zurückreichen.
Wie viel Amphetamin in den Hallen insgesamt produziert wurde, steht noch nicht fest. Die wissenschaftliche und chemische Auswertung der sichergestellten Substanzen durch die Forensiker dauert derzeit noch an.