Das vertraute Behörden- und Bus-Areal weicht der globalen Energiewende: Wie ein logistisches Domino-Spiel der Stadt neue Industriearbeitsplätze sichert.
Das altbekannte Behörden- und Bus-Areal an der Rheinstraße in Mönchengladbach steht vor einer radikalen Transformation. Wo heute noch Linienbusse rangieren und Bürger für ihren Führerschein anstehen, entsteht in den kommenden Jahren ein hochmoderner Industriestandort mit enormer Hebelwirkung für den lokalen Arbeitsmarkt. Die Stadt macht den Weg frei für die weltweite Expansion eines Energie-Riesen.
Wer an die Rheinstraße denkt, hat meist das Warten in der Zulassungsstelle oder das graue Betriebsgelände der NEW vor Augen. Doch dieses vertraute Stadtbild wird bald Geschichte sein. Der Stadtrat hat über den offiziellen Aufstellungsbeschluss für den neuen Bebauungsplan „GE Rheinstraße“ beraten – ein formeller Schritt mit massiven Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort.
Flächentausch als Schlüssel für weltweites Wachstum Der eigentliche Motor hinter dem Großprojekt ist der benachbarte Energietechnik-Konzern GE Vernova. Das Unternehmen fertigt in Mönchengladbach Großgeneratoren und Transformatoren für den globalen Markt. Das Problem bisher: Dem Werk fehlte der Platz zum Wachsen. Der Masterplan der Stadtverwaltung löst diesen Knoten durch ein geschicktes logistisches Domino-Spiel. Der NEW-Busbetriebshof wird auf das Areal der ehemaligen Niederrhein-Kaserne an der Kaldenkirchener Straße verlagert, die städtischen Behörden ziehen ebenfalls um. Die dadurch freiwerdenden Flächen fallen direkt an den Industriestandort.
Die Zahlen hinter diesem Deal sind für Mönchengladbach ein seltener Glücksfall: Rund 390 bestehende Industriearbeitsplätze werden langfristig am Standort zementiert. Gleichzeitig schafft die geplante Werkserweiterung die Perspektive für rund 200 komplett neue Jobs. Freiwerdende Restflächen sollen zudem Platz für weitere, emissionsarme Gewerbebetriebe bieten.
Die grüne Achse zwischen Campus und Schloss Dass es sich hierbei nicht um eine rein industrielle Betonwüste handelt, soll eine integrierte Freiraumplanung sicherstellen. Geplant ist eine grüne Schneise, die von der Schwalmstraße bis zum Hardterbroicher Markt reicht. Diese Verbindung schließt eine wichtige Lücke im Rahmenplan des Hochschulquartiers und verbindet künftig den Wissenscampus direkt mit dem historischen Schloss Rheydt.
Diese Grünzüge erfüllen in Zeiten des spürbaren Klimawandels einen harten, infrastrukturellen Zweck: Sie dienen als natürliche Versickerungsflächen. Bei extremen Starkregenereignissen soll diese grüne Lunge die städtische Kanalisation entlasten und das gesamte Quartier vor Sturzfluten schützen.
Wirtschaftskraft trifft Klimaschutz Aus dem Rathaus heißt es, dass genau diese Symbiose den Ausschlag für die hohe Priorität des Projekts gibt. Oberbürgermeister Felix Heinrichs betont, dass man hier exemplarisch zeige, wie dringend benötigte Gewerbeflächen mobilisiert werden können, ohne die Lebensqualität zu opfern. Unternehmen erhielten eine echte Entwicklungsperspektive, während gleichzeitig der industrielle Kern der Stadt gestärkt werde.
Auch die Technische Beigeordnete Claudia Schwan-Schmitz hebt hervor, dass die Verknüpfung von wirtschaftlichen Meilensteinen mit einer klimaangepassten Stadtentwicklung das Projekt auszeichne. Nach dem erfolgten Startschuss im Fachausschuss gehen die Entwürfe nun in die detaillierte Ausarbeitung. In den kommenden Monaten haben auch die Bürger und Träger öffentlicher Belange im Rahmen der gesetzlichen Beteiligung das Wort, um das Gesicht der neuen Rheinstraße mitzugestalten.