Mehr als 31 Jahre nach dem Mord an der 24-jährigen Sonja K. gibt es eine neue Entwicklung. Die Ermittlungsgruppe Cold Case der Polizei Mönchengladbach konnte DNA-Spuren sichern und auswerten, die möglicherweise zu dem Täter oder den Tätern führen. Möglich wurde dies durch Untersuchungsmethoden, die zum Zeitpunkt der Tat im Jahr 1995 noch nicht zur Verfügung standen.
Zahlreiche DNA-Proben werden abgeglichen
Im Zuge der neuen Ermittlungen nahm die Polizei zahlreiche DNA-Vergleichsproben. Speichelproben stammen unter anderem von damaligen Rettungskräften und Polizeibeamten sowie von Menschen aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld von Sonja K. Auch Beschäftigte externer Firmen wie Lieferanten, Ladendetektive und Reinigungskräfte wurden in die Untersuchung einbezogen.
Ein Teil der gesicherten DNA-Spuren konnte inzwischen Personen zugeordnet werden. Diese Menschen scheiden nach Angaben der Polizei als Täter aus. Noch sind jedoch nicht sämtliche Vergleichsproben ausgewertet. Die Untersuchungen laufen weiter.
Damit erhält der Fall mehr als drei Jahrzehnte nach der Tat einen konkreten neuen Ermittlungsansatz.
Sonja K. wurde 1995 in Lidl-Filiale getötet
Sonja K. arbeitete als Filialleiterin eines damaligen Lidl-Marktes an der Hochstraße 33 bis 35 in St. Tönis. Am Morgen des 25. Januar 1995 befand sie sich bereits vor der Öffnung in dem Geschäft und räumte Waren ein. Gegen 8.30 Uhr gelangten unbekannte Täter in die Filiale.
Die Täter fesselten und knebelten die 24-Jährige. Aus dem Tresor entwendeten sie mehrere Tausend Mark. Sonja K. wurde erdrosselt und starb noch am Tatort. Ihr Schlüsselbund, an dem sich unter anderem Schlüssel für den Haupteingang und den Tresor befanden, ist seitdem verschwunden.
Die Ermittler gehen aufgrund der Rekonstruktion davon aus, dass möglicherweise mehrere Personen an der Tat beteiligt waren. Zudem nimmt die Polizei an, dass die Täter Kenntnisse über die Filiale und die dortigen Arbeitsabläufe hatten.
Polizei sucht weiter nach dem entscheidenden Hinweis
Bereits bei der Wiederaufnahme des Falls hatte die Polizei auf zwei damalige Jugendliche aufmerksam gemacht. Sie sollen sich am Morgen der Tat gegen 8.05 Uhr vor dem Haupteingang des Lidl-Marktes aufgehalten haben.
Eine der Personen wurde als damals etwa 15 bis 17 Jahre alter Jugendlicher beschrieben. Er soll ungefähr 1,60 bis 1,65 Meter groß gewesen sein, dunkle Kleidung und eine Baseballmütze getragen haben. Auch die zweite Person soll dunkel gekleidet gewesen sein. Die Polizei sucht beide als mögliche Zeugen.
5.000 Euro Belohnung für entscheidenden Hinweis
Für Hinweise, die zur Aufklärung des Mordes und zur Ermittlung des Täters führen, sind inzwischen 5.000 Euro Belohnung ausgesetzt. Die Belohnung richtet sich ausschließlich an Privatpersonen.
Hinweise nimmt die Polizei Mönchengladbach unter 02161 290 sowie per E-Mail an mk.lidl.Moenchengladbach@polizei.nrw.de entgegen.
Familie wartet seit mehr als drei Jahrzehnten auf Gewissheit
Sonja K. wollte nach Angaben der Polizei im Sommer 1995 ihren Lebensgefährten heiraten und eine Familie gründen. Ihre Eltern starben, ohne erfahren zu haben, wer ihre Tochter getötet hatte. Die beiden Brüder hoffen weiterhin darauf, dass der Mord aufgeklärt wird.
Der Fall ist Teil der Kampagne „Mord verjährt nicht. Der Niederrhein erinnert sich.“ Dabei arbeitet die Polizei Mönchengladbach gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen und der Staatsanwaltschaft Krefeld an bislang ungeklärten Tötungsdelikten aus vergangenen Jahrzehnten. Auch die Polizeibehörden Krefeld und Viersen unterstützen die Ermittlungen