Deutschland ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ausgeschieden. Nach 120 Minuten stand es gegen Paraguay 1:1, im Elfmeterschießen verlor die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit 3:4. Es war ein historischer Moment: Zum ersten Mal verlor Deutschland ein WM-Elfmeterschießen. Reuters, AP und mehrere deutsche Medien bewerten das Ergebnis als eine der größten Überraschungen des Turniers.
Paraguay ging kurz vor der Halbzeit durch Julio Enciso in Führung. Kai Havertz glich nach der Pause aus. In der Verlängerung wurde ein Treffer von Jonathan Tah aberkannt. Danach folgte das Elfmeterschießen, in dem Havertz, Nick Woltemade und Tah ihre Versuche vergaben. Paraguay verwandelte den entscheidenden Elfmeter durch José Canale.
Viel Ballbesitz, wenig Wirkung
Die nüchterne Analyse fällt hart aus. Deutschland hatte über weite Strecken mehr Kontrolle, mehr Ballbesitz und mehr Spielanteile. Reuters berichtet, dass Deutschland bereits nach 35 Minuten mehr als 250 Pässe gespielt hatte, Paraguay dagegen nur einen Bruchteil davon. Trotzdem fehlten Tempo, Tiefe und klare Torchancen.
Genau darin liegt das Grundproblem dieses Ausscheidens: Deutschland dominierte statistisch, aber nicht spielerisch. Paraguay verteidigte tief, kompakt und geduldig. Die deutsche Mannschaft fand gegen diese Ordnung kaum Lösungen. WELT beschreibt das deutsche Offensivspiel als ideenarm und verweist darauf, dass Sané, Wirtz, Havertz und Undav kaum entscheidende Wirkung entfalteten.
Die Niederlage war deshalb nicht nur ein Ergebnis des Elfmeterschießens. Sie war Ausdruck eines bekannten Musters: viel Ballbesitz, wenig Durchschlagskraft, zu wenig Tempo im letzten Drittel.
Nagelsmann bleibt – aber der Druck wächst
Nach dem Spiel stellte sich Julian Nagelsmann den Fragen. Einen Rücktritt schloss er aus. Sein zentraler Satz nach dem Aus: „Ich bin keiner, der wegläuft.“ Die Sportschau und der Guardian berichten übereinstimmend, dass Nagelsmann weitermachen will, sofern der DFB diesen Weg mitgeht.
Rudi Völler äußerte sich vorsichtiger. Laut Sportschau sagte er, er sei „noch überzeugt“, dass Nagelsmann „wahrscheinlich der Richtige“ sei. Diese Formulierung zeigt: Der Bundestrainer ist nicht sofort weg, aber seine Position ist nach diesem Turnier geschwächt.
Auch Joshua Kimmich sprach nach dem Aus auffällig deutlich. Laut BuliNews sagte er sinngemäß, Deutschland sei verdient ausgeschieden. Diese Aussage wiegt schwer, weil sie nicht auf Pech, Schiedsrichter oder Elfmeterschießen ausweicht, sondern die sportliche Leistung selbst infrage stellt.
Die internationale Presse zerlegt Deutschland
Die internationalen Reaktionen fallen ungewöhnlich hart aus. Die Sportschau und der kicker sammeln Pressestimmen, in denen besonders ein Satz heraussticht: „Von Deutschland ist nichts mehr übrig.“
Reuters spricht von einem „stunning upset“, also einer massiven Überraschung. AP nennt das Ergebnis einen der größten Schocks dieser WM. Der Guardian hebt vor allem Paraguays defensive Disziplin hervor und beschreibt Nagelsmanns Lage nach dem erneuten frühen Aus als deutlich belastet.
Der entscheidende Punkt in vielen internationalen Analysen: Deutschland verliert nicht nur ein Spiel. Deutschland verliert weiter an Status. Nach den enttäuschenden WM-Turnieren 2018 und 2022 ist auch 2026 früh Schluss. Der frühere Mythos einer Turniermannschaft wirkt beschädigt.
Der Mythos Elfmeterschießen ist gebrochen
Besonders symbolisch ist das Elfmeterschießen. Deutschland galt über Jahrzehnte als Nation, die in solchen Momenten kühler, präziser und mental stabiler ist als andere. Genau dieser Mythos ist gegen Paraguay gebrochen.
Reuters betont, dass es Deutschlands erste Niederlage in einem WM-Elfmeterschießen war. Auch L’Équipe und andere internationale Medien greifen diesen Punkt prominent auf.
Das macht die Niederlage größer als ein normales K.o.-Aus. Deutschland verlor nicht nur sportlich, sondern auch ein Stück seiner historischen Erzählung.
Warum Deutschland ausgeschieden ist
Die wichtigsten Ursachen lassen sich klar benennen:
Erstens fehlte dem deutschen Spiel Tempo. Der Ball lief häufig quer, aber selten gefährlich in die Tiefe.
Zweitens fehlten klare Abschlüsse. Viel Ballbesitz führte nicht automatisch zu hochwertigen Chancen.
Drittens war Paraguay taktisch diszipliniert. Die Südamerikaner verteidigten kompakt, ließen wenig Raum im Zentrum und warteten auf wenige, aber gefährliche Momente.
Viertens versagte Deutschland im entscheidenden Moment vom Punkt. Drei verschossene Elfmeter sind auf diesem Niveau zu viel.
Fünftens wirkte die Mannschaft mental belastet. Nach den vergangenen Turnierenttäuschungen war dieses Spiel auch ein Charaktertest. Deutschland bestand ihn nicht.
Am ende
Das WM-Aus gegen Paraguay ist mehr als eine Niederlage im Elfmeterschießen. Es ist ein weiterer Tiefpunkt in einer Entwicklung, die seit Jahren sichtbar ist. Deutschland hat Namen, Talent und Ballbesitz. Aber gegen Paraguay fehlten Tempo, Klarheit, Durchschlagskraft und mentale Stabilität.
Die internationale Presse spricht deshalb nicht nur über ein verlorenes Spiel. Sie spricht über den Verlust eines Mythos.
Julian Nagelsmann will bleiben. Der DFB muss nun entscheiden, ob dieser Weg glaubwürdig fortgesetzt werden kann. Sicher ist nur: Nach diesem Aus reicht es nicht mehr, von einem Umbruch zu sprechen. Deutschland braucht Ergebnisse.