
Acht Siege in acht Vorbereitungsspielen, ein souveräner Pokalerfolg und die Hoffnung auf einen echten Neustart Borussia Mönchengladbach reiste mit Rückenwind zum Bundesligaauftakt nach Leipzig. Nach dem 03 bei RB ist die erste Euphorie verflogen. Vor allem die schwache Phase nach der Pause erinnert an Probleme der vergangenen Saison. Trainer Eugen Polanski findet deutliche Worte und bei Teilen der Fans flammt eine alte Diskussion wieder auf. Überschattet wurde das Spiel zudem von der Verletzung Daiki Hashiokas, der nach einem Zusammenprall ins Krankenhaus gebracht wurde.
Mönchengladbach. Acht Testspiele, acht Siege. Dazu ein deutliches 50 im DFB Pokal gegen Schott Mainz. Borussia Mönchengladbach hatte vor dem ersten Bundesligaspiel der neuen Saison reichlich Argumente gesammelt, um mit Zuversicht nach Leipzig zu fahren.
Dann kamen die 90 Minuten, die deutlich mehr Aussagekraft besitzen als viele Wochen Vorbereitung.
Borussia verlor am Samstag mit 03 bei RB Leipzig. Das Ergebnis ist deutlich. Die Geschichte des Spiels ist allerdings komplizierter. Denn über weite Strecken der ersten Halbzeit sah Gladbach keineswegs wie eine Mannschaft aus, die chancenlos sein würde. Nach der Pause änderte sich das Bild jedoch drastisch.
Und genau darin liegt nach dem ersten Spieltag die entscheidende Frage Hat Borussia tatsächlich einen Schritt nach vorne gemacht oder sind die Probleme der vergangenen Saison noch immer näher, als die erfolgreiche Vorbereitung vermuten ließ?
Gladbach beginnt mutig und belohnt sich nicht
Borussia versteckte sich zunächst nicht.
Die Mannschaft von Eugen Polanski spielte direkt nach vorne, suchte Tempo und kam über Hugo Bolin, Wael Mohya und Robin Hack mehrfach in gefährliche Räume. Die Sportschau erkannte dabei ausdrücklich die neue Herangehensweise, die Polanski für diese Saison angekündigt hatte.
Die größte Gelegenheit der Anfangsphase gehörte Gladbach. Nach einem Eckball kam Bolin zum Abschluss. Leipzigs Torhüter Maarten Vandevoordt lenkte den Ball an den Innenpfosten und verhinderte anschließend gerade noch den Rückstand.
Doch statt Borussia traf Leipzig.
In der 26. Minute kombinierte Ridle Baku mit Tidiam Gomis, bekam den Ball zurück und schob zum 10 ein. Auch Rocco Reitz spielte bei der Entstehung eine Rolle Der frühere Gladbacher ließ den Ball geschickt passieren und öffnete dadurch den Weg für den Doppelpass.
Borussia blieb anschließend im Umschaltspiel gefährlich. Lukas Ullrich verfehlte mit einem abgefälschten Distanzschuss knapp das Tor. Auf der anderen Seite wurden allerdings auch die Leipziger Möglichkeiten größer. Antonio Nusa schoss knapp vorbei, Gomis vergab per Kopf und Willi Orban traf die Latte.
Die 10 Pausenführung für Leipzig war deshalb verdient. Trotzdem hatte Borussia spielerisch nicht enttäuscht.
Polanski selbst sah das genauso.
Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte der Gladbacher Trainer
„Wir haben in der ersten Halbzeit viel von dem gesehen, was wir sehen wollten in dieser neuen Saison.“
Sein Problem lag weniger im Aufbau als in der Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Borussia habe Situationen gut vorbereitet, sie im letzten Drittel aber nicht ausreichend ausgespielt. Polanski sprach vom fehlenden „Punch“ also von jener Konsequenz, die einen ordentlichen Auftritt am Ende auch auf der Anzeigetafel sichtbar macht.
Nach der Pause bricht Gladbachs Spiel auseinander
Was anschließend geschah, dürfte Polanski wesentlich mehr beschäftigen.
Leipzig kam mit deutlich höherer Intensität aus der Kabine. Borussia dagegen verlor innerhalb kürzester Zeit den Zugriff.
Bereits in der 49. Minute bekam Nusa halblinks zu viel Raum. Der Norweger zog nach innen und traf sehenswert zum 20.
Danach war Leipzig zeitweise klar überlegen.
Moritz Nicolas verhinderte zunächst Schlimmeres. Der Gladbacher Torwart parierte einen weiteren starken Abschluss von Nusa, wehrte gegen Brajan Gruda ab und stoppte innerhalb weniger Sekunden gleich mehrere Leipziger Versuche.
Dass das Ergebnis zu diesem Zeitpunkt nicht höher ausfiel, lag vor allem an Nicolas.
Polanski beschrieb diese Phase später ungewöhnlich deutlich
„Zweite Halbzeit gänzlich anders. Die ersten 25 Minuten überhaupt nicht auf dem Platz gewesen.“
Er sprach von „sehr wenig Energie“, großen Abständen mit und gegen den Ball sowie von „zwei Katastrophen Fehlpässen“. Leipzig habe diese Fehler mit seiner Qualität im Umschaltspiel bestraft.
Das sind bemerkenswerte Worte für den ersten Spieltag.
Denn Polanski führte die Probleme nicht allein auf die Stärke des Champions League Teilnehmers zurück.
„Das darf uns in keinem Bundesligaspiel passieren“
Auf der Pressekonferenz wurde Polanski gefragt, was in der Halbzeitpause besprochen worden sei und weshalb seine Mannschaft anschließend derart verändert aus der Kabine gekommen sei.
Seine Antwort fiel eindeutig aus.
Die Spieler seien keineswegs aufgefordert worden, vorsichtiger oder defensiver aufzutreten. Im Gegenteil Die Mannschaft sollte den Fußball aus der ersten Halbzeit fortsetzen.
Dann kam ein Satz, der über dieses einzelne Spiel hinaus Bedeutung besitzt
„Das darf uns in keinem Bundesligaspiel passieren. Das hat nichts mit RB zu tun.“
Gemeint waren vor allem die schweren Ballverluste.
Polanski kündigte an, diese Szenen „knallhart“ zu analysieren. Die Halbzeitansprache sei angesichts der ordentlichen ersten 45 Minuten vor allem ermutigend gewesen möglicherweise, wie Polanski selbstironisch ergänzte, sogar „zu ermutigend“.
Damit nimmt der Trainer seine Mannschaft deutlich in die Pflicht.
Gleichzeitig stellt sich nach diesem Auftakt zwangsläufig die Frage, wie nachhaltig die in der Vorbereitung erkennbaren Fortschritte bereits sind.
Ausgerechnet Rocco Reitz macht den Deckel drauf
Dann kam die Geschichte, die für Borussia kaum bitterer hätte geschrieben werden können.
In der 64. Minute brachte Leipzigs neuer Trainer Martín Demichelis Christopher Nkunku. Der französische Offensivspieler war erst wenige Tage zuvor nach Leipzig zurückgekehrt.
Nicht einmal zwei Minuten später spielte Nkunku einen präzisen Ball in den Lauf von Rocco Reitz.
Der ehemalige Gladbacher Kapitän lief auf Nicolas zu und tunnelte den Torwart zum 30.
Reitz verzichtete auf einen ausgelassenen Torjubel gegen seinen früheren Verein. Seine neuen Mannschaftskollegen feierten ihn dennoch.
Für Leipzig war die Kombination beinahe perfekt inszeniert Rückkehrer Nkunku bereitet vor, Neuzugang Reitz trifft gegen den Klub, bei dem er einen Großteil seiner bisherigen Karriere verbracht hatte.
Polanski wollte der Personalie nach dem Spiel allerdings keine besondere emotionale Bedeutung geben.
Auf die Frage, wie es gewesen sei, Reitz auf der anderen Seite zu sehen, erklärte er sinngemäß, es habe sich um einen normalen Wechsel gehandelt. Er habe sich auf seine eigenen Spieler konzentriert. Kontakt mit Reitz habe es unmittelbar vor oder nach der Partie nicht gegeben.
Demichelis erlebt einen nahezu perfekten Bundesligaeinstand
Während auf Gladbacher Seite Ernüchterung herrschte, erlebte Martín Demichelis einen außergewöhnlichen Nachmittag.
Für den Argentinier war es das erste Bundesligaspiel als Trainer. Leipzig gewann 30, blieb ohne Gegentor und konnte zudem die Rückkehr Nkunkus feiern.
Demichelis bezeichnete diesen Tag auf der Pressekonferenz als einen, den er nicht vergessen werde. Besonders die Atmosphäre und die Choreografie der Leipziger Anhänger hätten ihn emotional berührt. Auf die Frage nach seinem ersten Eindruck von der Arena brachte er seine Gefühlslage ausgesprochen knapp auf den Punkt
„Einfach geil. Einfach geil.“
Mit dem gesamten Spiel war Demichelis allerdings nicht uneingeschränkt zufrieden.
Er bezeichnete die erste Halbzeit als schwierig, weil Gladbach seiner Mannschaft Probleme bereitet habe. Nach der Pause sei Leipzig besser strukturiert und aggressiver gewesen und habe zunehmend die Kontrolle übernommen.
Trotz des 30 kündigte auch der RB Trainer weitere Analysearbeit an.
Das deckt sich weitgehend mit der Bewertung neutraler Beobachter Borussia war in den ersten 45 Minuten konkurrenzfähig, Leipzig nach der Pause jedoch klar stärker. Gladbach hielt 45 Minuten gut mit, anschließend drehte RB deutlich auf.
Vorbereitung makellos Bundesliga liefert einen anderen Maßstab
Gerade deshalb trifft dieses 03 Borussia zu einem interessanten Zeitpunkt.
Die Vorbereitung war nahezu das genaue Gegenteil dieses Nachmittags.
Borussia gewann nach Angaben von Sportdirektor Rouven Schröder alle acht Testspiele. Danach folgte das souveräne 50 gegen den Oberligisten Schott Mainz in der ersten Runde des DFB Pokals.
Acht Testspiele, acht Siege und fünf Pokaltore hatten neues Selbstvertrauen entstehen lassen.
Aber Vorbereitung und Bundesliga sind unterschiedliche Welten.
Leipzig war der erste Gegner, der Fehler auf höchstem Niveau konsequent bestrafte. Und genau dort zeigten sich nach der Pause Dinge, die Borussia bereits während der vergangenen Saison begleitet hatten fehlender Zugriff, problematische Abstände und individuelle Ballverluste mit unmittelbaren Folgen.
Das bedeutet nicht, dass acht erfolgreiche Vorbereitungsspiele wertlos waren. Ebenso wenig lässt sich nach einem einzigen Bundesligaspiel seriös behaupten, Borussia habe sich überhaupt nicht weiterentwickelt.
Die Partie liefert aber den ersten echten Gegenbeweis gegen die Vorstellung, alle strukturellen Probleme seien bereits gelöst.
Polanski steht schon länger unter Beobachtung
Damit rückt automatisch auch Eugen Polanski wieder stärker in den Mittelpunkt.
Die Diskussion um den Trainer ist keineswegs erst am Samstag entstanden.
Borussia beendete die vergangene Saison auf Tabellenplatz zwölf. Der Klassenerhalt wurde erst am drittletzten Spieltag endgültig gesichert. Unter Polanski standen in 31 Bundesligaspielen neun Siege und zehn Unentschieden.
Nach Saisonende analysierte die Vereinsführung ausführlich, ob sie mit ihm weitermachen sollte.
Sportdirektor Rouven Schröder räumte anschließend sogar ein
„Wir haben kontrovers diskutiert.“
Am Ende entschied sich Borussia für Polanski. Gleichzeitig formulierte Schröder einen Satz, der ihn durch diese Saison begleiten dürfte
„Ein ‚Weiter so‘ wird es nicht geben.“
Das war keine Nebensächlichkeit.
Borussia veränderte daraufhin nicht nur Teile des Kaders, sondern auch das Trainerteam. Schröder erklärte im Juli rückblickend sogar
„Im Trainerstab waren wir zuletzt nicht bundesligareif, das haben wir jetzt geändert.“
Von Polanski wurde ein mutigerer, offensiverer Fußball erwartet. Der Trainer sollte die Mannschaft weiterentwickeln und gleichzeitig die Fans wieder stärker erreichen.
Vor diesem Hintergrund erhält das 03 in Leipzig eine andere Bedeutung.
Nicht weil nach einem einzigen Spieltag bereits über eine Entlassung entschieden werden müsste. Dafür gibt es keinerlei belastbare Grundlage.
Aber weil die Vereinsführung selbst den Maßstab gesetzt hat Kein Weiter so.
Kritik an Polanski ist vorhanden von einer Fanmehrheit kann noch keine Rede sein
Auch unter Anhängern wird Polanskis Arbeit schon länger kontrovers diskutiert.
Bereits unmittelbar nach der Entscheidung, mit ihm in die neue Saison zu gehen, waren in öffentlich zugänglichen Fanforen ausgesprochen kritische Reaktionen zu lesen. Im Transfermarkt Forum bezeichnete ein Nutzer die Entscheidung beispielsweise als „Scheitern mit Ansage“, ein anderer äußerte deutliche Skepsis.
Gleichzeitig gab es dort ausdrücklich Gegenpositionen. Andere Fans hielten einen erneuten Trainerwechsel nach mehreren vorherigen Wechseln für wenig sinnvoll und begrüßten stattdessen die Veränderungen im übrigen Trainerstab.
Das ist für die Einordnung entscheidend.
Es gibt nachweisbare Kritik an Eugen Polanski. Diese Kritik ist teilweise deutlich und sie existierte bereits vor dem Saisonstart.
Eine seriöse Grundlage für die Behauptung, eine Mehrheit der Borussia Fans fordere aktuell einen neuen Trainer, gibt es hingegen nicht.
Öffentliche Foren, Reddit Kommentare oder Beiträge in sozialen Netzwerken sind nicht repräsentativ.
Noch sechs Tage vor dem Leipzig Spiel zeigte sich genau dieses gemischte Bild. In einer Reddit Diskussion nach dem 50 im Pokal schrieb ein Gladbach Anhänger, es gebe keinen Grund zur Panik, Euphorie verspüre er aber ebenfalls nicht. Gleichzeitig kritisierte er Polanskis Umgang mit jungen Spielern.
Andere Nutzer bewerteten die Situation weniger negativ.
Das 03 dürfte diese Debatte nun neu befeuern.
Aber zwischen „Kritik wird lauter“ und „die Fans wollen einen neuen Trainer“ besteht journalistisch ein erheblicher Unterschied.
Die wichtigste Frage Gut spielen oder erfolgreich spielen?
Vielleicht hat Polanski selbst am Samstag die treffendste Beschreibung der aktuellen Situation geliefert.
Als er über Tim Kleindienst und die fehlende Durchschlagskraft seiner Mannschaft sprach, sagte er, Borussia müsse diesen „Punch“ unbedingt entwickeln.
Denn nur so könne die Mannschaft
„nicht nur gut, sondern gut und erfolgreich“
Fußball spielen.
Dieser Satz trifft den Kern.
Gladbach spielte in Leipzig zeitweise ordentlich. Borussia zeigte in der ersten Halbzeit mehrere Elemente des Fußballs, den Polanski etablieren möchte.
Aber Bundesligaspiele werden nicht nach gelungenen Ansätzen bewertet.
Sie werden entschieden durch Tore, Konzentration, Stabilität und die Fähigkeit, schlechte Phasen zu überstehen.
In Leipzig fehlte Borussia genau das.
Kleindienst absolviert überraschend die kompletten 90 Minuten
Eine positive Nachricht ging im Ergebnis beinahe unter.
Tim Kleindienst stand nach seinen Problemen wieder in der Startelf und absolvierte die gesamte Partie.
Das war laut Polanski ursprünglich überhaupt nicht vorgesehen. Kleindienst hatte in der Vorbereitung keine komplette Partie über 90 Minuten bestritten.
Polanski erklärte, man habe ihn eigentlich auswechseln wollen. Durch die Verletzung Hashiokas veränderte sich die Situation jedoch.
Der Kapitän habe anschließend clever weitergespielt und kaum erkennen lassen, dass die Belastung für ihn außergewöhnlich hoch war. Nach Angaben des Trainers waren es Kleindiensts erste 90 Minuten seit ungefähr 16 Monaten.
Gerade für eine Mannschaft, der Polanski im letzten Drittel den entscheidenden Punch attestiert, könnte die Rückkehr eines vollständig belastbaren Kleindienst von erheblicher Bedeutung werden.
Nachwuchsspieler Nguefack erhält seine Chance
Polanski hob außerdem das Bundesligadebüt von Mathieu Nguefack hervor.
Der Nachwuchsspieler habe sich seinen Einsatz verdient es sei ausdrücklich „kein Geschenk“ gewesen.
Polanski lobte seine Werte, seine Spielintelligenz sowie die Ausbildung im Gladbacher Nachwuchsleistungszentrum. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Nguefack sich noch an Kulisse, Spielgeschwindigkeit und Aggressivität auf Bundesliganiveau gewöhnen müsse.
Solche Erfahrungen könne ein junger Spieler allerdings nur über tatsächliche Einsätze sammeln.
Gerade weil in Teilen der Fanszene zuletzt auch Polanskis Umgang mit jungen Spielern diskutiert worden war, ist dieses Debüt nicht völlig nebensächlich.
Schockmoment um Daiki Hashioka
Sportlich war die Partie bereits entschieden, als sie für Borussia noch einmal wesentlich ernster wurde.
In der 72. Minute kollidierte Daiki Hashioka nach einer Flanke mit Leipzigs Antonio Nusa.
Der japanische Abwehrspieler blieb liegen und klagte über Schmerzen im Nackenbereich. Er wurde medizinisch versorgt, stabilisiert und anschließend auf einer Trage aus dem Stadion gebracht.
Später wurde Hashioka zur weiteren Untersuchung in eine Leipziger Klinik gebracht.
Sportdirektor Rouven Schröder zeigte sich nach der Partie besorgt.
Über Hashioka sagte er
„Er ist schon ein harter Brocken, wenn da was ist, dann ist es schon eine andere Nummer.“
Schröder betonte, bei Beschwerden in diesem Bereich müsse man besonders vorsichtig sein. Hashioka sei sofort ruhiggestellt worden. Borussia hoffe nun, dass alles glimpflich ausgehe.
Auch Polanski bestätigte auf der Pressekonferenz, dass sein Spieler einen heftigen Treffer abbekommen habe und sich im Krankenhaus befinde.
Er richtete Genesungswünsche an den Japaner.
Eine konkrete medizinische Diagnose lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.
Deshalb wäre es falsch, derzeit beispielsweise von einer Gehirnerschütterung, einer Halswirbelverletzung oder einer anderen konkreten Verletzung zu sprechen.
Leipzig macht vor, was Borussia noch sucht
Auf Leipziger Seite war nahezu alles vorhanden, was Gladbach fehlte.
RB nutzte seine Möglichkeiten konsequent. Die Mannschaft erhöhte nach der Pause ihre Intensität. Fehler des Gegners wurden unmittelbar bestraft. Dazu funktionierten personelle Entscheidungen sofort Nkunku kam von der Bank und bereitete praktisch mit seiner ersten Aktion das Tor von Reitz vor.
Leipzig bezeichnet den Erfolg selbst als gelungenen Bundesligaauftakt. Auch in der medialen Bewertung wurde der Sieg als verdient eingeordnet.
Borussia dagegen fährt ohne Punkte zurück nach Mönchengladbach.
Das allein wäre nach einem Auswärtsspiel bei einem Champions League Teilnehmer noch kein Grund für grundsätzliche Zweifel.
Beunruhigender ist die Art, wie Gladbach nach einer durchaus ansprechenden ersten Halbzeit zeitweise die Kontrolle über das eigene Spiel verlor.
Ein Spieltag entscheidet keine Trainerfrage aber der Kredit ist nicht unbegrenzt
Nach dem ersten Bundesligaspiel einer Saison eine Trainerentscheidung zu fordern, wäre eine sehr kurze Analyse.
Die Vergangenheit lässt sich ebenso wenig ignorieren.
Polanski geht nicht unbelastet in diese Saison. Die Vereinsführung hat seine Arbeit nach der vergangenen Spielzeit selbst intensiv und kontrovers bewertet. Sie entschied sich bewusst für eine zweite Chance verbunden mit Veränderungen und klar formulierten Erwartungen.
Die Vorbereitung lieferte Argumente dafür, dass dieser Weg funktionieren könnte.
Die erste Halbzeit in Leipzig ebenfalls.
Die zweite lieferte Argumente für die Skeptiker.
Genau deshalb wird Eugen Polanski in den kommenden Wochen weniger an schönen Phasen gemessen werden als daran, wie schnell seine Mannschaft solche Einbrüche abstellt.
Er selbst hat nach dem Spiel den Maßstab formuliert.
Gut reicht nicht.
Borussia muss gut und erfolgreich spielen.
Nach dem ersten Spieltag ist sie davon zumindest ergebnistechnisch noch ein gutes Stück entfernt.