In Mönchengladbach-Giesenkirchen breiten sich gefährliche Industriechemikalien im Grundwasser weiter aus. Die Stadt zieht nun Konsequenzen und vergrößert ab dem 1. Juni das Gebiet, in dem das Wasser weder für den Garten noch für das Planschbecken genutzt werden darf. Wer ab sofort von den strengeren Regeln betroffen ist und wo das Wasser absolut sicher bleibt.
Das Problem mit den hartnäckigen Schadstoffen beschäftigt den Stadtteil bereits seit rund fünf Jahren. Weil die Belastung durch per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) im Grundwasser weiterhin zu hoch ist, passt die Stadt Mönchengladbach nun ihre Schutzmaßnahmen an. Zum 1. Juni tritt eine neue Allgemeinverfügung in Kraft.
Diese Neuregelung löst die bisherigen Vorgaben aus dem Jahr 2022 ab. Die Stadt reagiert damit auf die veränderte Ausbreitung der Chemikalien und wendet gleichzeitig strengere Grenzwerte der Europäischen Lebensmittelüberwachungsbehörde (EFSA) an. Konkret geht es um die PFAS-Teilgruppe PFOA (Perfluoroctansäure). Liegt der Wert über 20 Nanogramm pro Liter, greift das Verbot.
Trinkwasser bleibt in Giesenkirchen absolut sicher
Die wichtigste Nachricht für alle Anwohner vorweg: Das Trinkwasser aus dem Hahn ist von der Verunreinigung nicht betroffen und kann wie gewohnt bedenkenlos getrunken werden. Das Problem beschränkt sich ausschließlich auf das Grundwasser, das über private Brunnen an die Oberfläche gepumpt wird.
Genau diese Nutzung wird im betroffenen Gebiet jedoch untersagt – und das aus gutem Grund. Wer das belastete Wasser zum Gießen seiner Gemüsebeete, für das heimische Planschbecken oder den Rasensprenger nutzt, riskiert gesundheitliche Folgen. Die Schadstoffe können beim Verzehr des Gemüses, über die Haut oder durch das Einatmen des feinen Sprühnebels vom Körper aufgenommen werden.
Diese Gebiete und Straßen sind jetzt betroffen
Der neue Sperrbezirk umfasst mittlerweile eine beachtliche Fläche von rund 75 Hektar. Das Areal erstreckt sich im Wesentlichen in südwestlicher Richtung entlang des Trietbachs. Im Nordosten bildet die Honschaft „Stadt“ südlich der Palandstraße die Grenze der Sperrzone.
Neu in das Verbot aufgenommen wurden nun auch die Bezirkssportanlage Giesenkirchen sowie ein kleiner Teil der angrenzenden Wohnbebauung im Südwesten. Auch der örtliche Friedhof und Teile des Gewergebiets an der Zoppenbroicher Straße fallen unter die Allgemeinverfügung.
Rund um die Konstantinstraße bleibt es weitgehend beim bisherigen Verlauf der Sperrzone. Um sicherzugehen, dass alle Anwohner informiert sind, schreibt die Stadtverwaltung in den kommenden Tagen alle direkt betroffenen Haushalte noch einmal persönlich an.
Suche nach den Verursachern der PFOA-Belastung
Doch woher kommen die Giftstoffe eigentlich? Als mögliche Quelle haben die Behörden das Gewerbegebiet an der Konstantinstraße im Visier. Dort waren in der Vergangenheit eine Wartungswerkstatt für Trockenfeuerlöscher und ein Betrieb, der Teflon verarbeitete, ansässig. Beide Industriezweige sind bekannt dafür, Stoffe aus der PFAS-Familie genutzt zu haben.
Jahrzehntelanger Kampf gegen die Industriechemikalien
Da PFAS in der Natur kaum abgebaut werden, ist eine schnelle Lösung für Giesenkirchen nicht in Sicht. Die Stadt lenkt jedoch bereits mit einer Grundwasserreinigungsanlage am Friedensplatz gegen. Diese Anlage soll verhindern, dass sich die Schadstoffe unkontrolliert weiter ausbreiten, und die Konzentration schrittweise senken.
Laut dem Fachbereich Umwelt wird die vollständige Sanierung des Grundwassers noch Jahrzehnte dauern. Erst Ende April hatte Bezirksbürgermeister Ralf Kremer die Bürger bei einem Infoabend auf den neuesten Stand gebracht. Solange sich die Anwohner an das Nutzungsverbot halten, besteht jedoch keine Gefahr für die Gesundheit.
Wer sich unsicher ist, ob das eigene Grundstück in der neuen 75-Hektar-Zone liegt, findet detaillierte Karten und weitere Informationen zum Thema auf der Website der Stadt unter stadt.mg/pfasgiesenkirchen.