MÖNCHENGLADBACH / DÜSSELDORF | Der Fall um mutmaßliches Mobbing innerhalb einer Dienstgruppe der Polizei Mönchengladbach hat eine völlig neue Dimension erreicht. Was im April 2026 als interne Beschwerde über toxisches Verhalten begann, beschäftigt mittlerweile die Justiz und die Landespolitik auf höchster Ebene. Im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags kamen nun Details ans Licht, die den Verdacht schwerer Straftaten erhärten. Drei Führungskräfte sind suspendiert, eine komplette Dienstgruppe wurde aufgelöst.
Es sind schwerwiegende Vorwürfe, die Innenminister Herbert Reul (CDU) in der 75. Sitzung des Innenausschusses im Landtag von Nordrhein-Westfalen am Donnerstag (21. Mai 2026) verlas. Die Vorfälle bei der Polizei in Mönchengladbach, die zunächst unter dem Schlagwort „Mobbing“ liefen, haben sich zu einem massiven Kriminalfall in den eigenen Reihen ausgeweitet. Laut einem offiziellen Bericht des Innenministeriums stehen mittlerweile der Verdacht von sexuellen Übergriffen, gefährlicher Körperverletzung, Bedrohungen, Beleidigungen sowie Strafvereitelung im Amt im Raum.
Reul fand im Landtag deutliche Worte für das mutmaßliche Verhalten der Beamten: „Sollte sich das auch nur in Ansätzen als wahr herausstellen, dann bekommen die entsprechenden Beamten gehörige Probleme.“
Jahrelanges System aus Grenzüberschreitungen?
Den Stein ins Rollen gebracht hatten am 14. April 2026 vier Polizistinnen aus Mönchengladbach. Sie wandten sich mit detaillierten schriftlichen Beschwerden über Missstände und gravierendes Fehlverhalten innerhalb ihrer Dienstgruppe an eine Vorgesetzte. Nur wenig später folgten drei weitere schriftliche Beschwerden von zwei weiteren Beamtinnen und einem Beamten.
Die Auswertungen dieser Schreiben werfen ein erschreckendes Licht auf die interne Kultur der betroffenen Einheit. Besonders brisant: Das grenzüberschreitende und mutmaßlich strafbare Verhalten soll sich nicht um Einzelfälle handeln, sondern sich nach Angaben aus dem Landtagsbericht teilweise über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren erstreckt haben.
Radikalschnitt in Mönchengladbach: Dienstgruppe aufgelöst
In der betroffenen Dienststelle in Mönchengladbach herrscht seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe der Ausnahmezustand. Polizeipräsident Stephan Zenker zog inzwischen drastische Konsequenzen, um weiteren Schaden von der Behörde abzuwenden und den Schutz der betroffenen Beamten zu garantieren: Die gesamte, 18-köpfige Dienstgruppe, in der sich die Vorfälle konzentrierten, wurde mit sofortiger Wirkung komplett aufgelöst. Das Personal wurde auf andere Einheiten umverteilt und die Dienstgruppe strukturell völlig neu aufgestellt.
Gegen mehrere männliche Beamte der Dienstgruppe wurden Disziplinarverfahren eingeleitet. Drei Führungskräfte wurden bereits vorläufig vom Dienst suspendiert.
Aachener Ermittler übernehmen den Fall
Da gegen die Beschuldigten ein konkreter Anfangsverdacht für teils schwere Straftaten vorliegt, reicht der Fall längst über reine disziplinarische Konsequenzen hinaus. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Um eine absolute Neutralität zu gewährleisten und jeglichen Verdacht der Befangenheit oder internen Vertuschung im Keim zu ersticken, ermittelt die Polizei Mönchengladbach explizit nicht selbst gegen die eigenen Kollegen. Die Kriminalpolizei Aachen hat die Akten übernommen und führt unter Hochdruck die Ermittlungen und Zeugenbefragungen durch. Angesichts der Komplexität und des langen Tatzeitraums von bis zu einer Dekade steht den Ermittlern in Aachen eine langwierige Aufarbeitung bevor. Es gilt bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung.