Am Nachmittag des 1. Mai fielen in Mönchengladbach Schüsse, als ein fast nackter Mann mit einer Langwaffe an der Aachener Straße auf Polizeikräfte zulief. Nun liegt dem Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags ein offizieller Bericht vor, der den dramatischen Ablauf schildert und zeigt: Mehrere brisante Fragen zu der Tatwaffe und dem Vorgehen sind noch völlig ungeklärt.
Der Fall sorgte am Maifeiertag weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufsehen. Passanten hatten gegen 15.36 Uhr den Notruf gewählt, weil ein unbekleideter Mann im Bereich der Landgrafenstraße mit einem Gewehr unterwegs war. Nun liefert die Vorlage 18/5137 des NRW-Innenministeriums, die für die Landtagssitzung am heutigen 21. Mai 2026 auf der Agenda steht, ein klareres Bild der Geschehnisse.
Dramatische Minuten auf der Aachener Straße
Der Bericht stützt sich auf die aktuellen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach. Demnach lief der Mann, der bis auf Socken und Schuhe völlig nackt war, von der Blumenberger Straße in Richtung Aachener Straße. Als die alarmierten Polizisten an der Kreuzung zur Waldnieler Straße eintrafen, eskalierte die Situation schnell.
Laut den Akten soll der Mann direkt auf die Einsatzkräfte zugerannt sein. Dabei habe er den Lauf seiner Waffe gezielt auf die Polizisten gerichtet. Sämtliche Zuruf und Warnungen der Beamten blieben offenbar wirkungslos. Daraufhin fielen Schüsse. Der Mann wurde von mehreren Projektilen getroffen, sank schwer verletzt zu Boden und musste in eine Klinik gebracht werden. Lebensgefahr bestand nach damaligen Angaben glücklicherweise nicht.
Drogen und ein leerer Waffenkarton
Während der Schwerverletzte im Krankenhaus versorgt wurde, durchsuchten Ermittler noch am selben Tag seine Wohnung in Mönchengladbach. Die Beamten wurden fündig: Neben Betäubungsmitteln stellten sie einen leeren Waffenkarton sicher.
Dieses Detail ist deshalb so wichtig, weil es eine der zentralen Fragen des Falles aufwirft. Bis zur Fertigstellung des Berichts stand das Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchung noch aus. Es ist also weiterhin unklar, ob der Mann eine echte, scharfe Schusswaffe in den Händen hielt oder ob es sich beispielsweise um eine Attrappe handelte.
Kriminalpolizei Aachen ermittelt in beide Richtungen
Nach einem polizeilichen Schusswaffengebrauch greifen strenge Mechanismen. Aus Gründen der Neutralität hat die Kriminalpolizei Aachen die Ermittlungen übernommen. Auch die stundenlange Spurensicherung, die zu Sperrungen rund um die Aachener Straße und Hittastraße führte, lag in ihren Händen.
Derzeit laufen zwei parallele Verfahren. Gegen den Mann wird unter anderem wegen Bedrohung und eines möglichen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Gleichzeitig steht das Handeln der Polizisten auf dem Prüfstand. Die Ermittler prüfen, ob ein Anfangsverdacht wegen Körperverletzung im Amt vorliegt. Das ist ein Standardverfahren und bedeutet ausdrücklich nicht, dass sich die Beamten strafbar gemacht haben.
Was aktuell noch unklar bleibt
In den Tagen nach dem Vorfall kursierten viele Gerüchte in der Stadt, unter anderem über die genaue Anzahl der Schüsse. Der offizielle Bericht bestätigt diese Spekulationen nicht. Auch die genaue Art der Waffe ist offiziell noch nicht benannt.
Der juristische Ausgang des Einsatzes bleibt damit offen. Entscheidend für die Bewertung durch die Staatsanwaltschaft wird sein, ob die Waffe überhaupt schussfähig war und wie akut die Bedrohungslage für die Beamten an diesem Nachmittag an der Waldnieler Straße tatsächlich ausfiel. Die Ermittlungen dazu dauern an.